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Klinikmorde in Delmenhorst Kultur des Hinguckens in Krankenhäusern gefordert

15.01.2015, 17:18 Uhr

zb Oldenburg/Delmenhorst. Die Patientensicherheit muss verbessert werden. Das hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) am Mittwochabend in der Sendung „Nordwestradio unterwegs“ betont. Die Ministerin gehörte im Klinikum Oldenburg zu den Diskussionsteilnehmern zum Thema „Die Klinikmorde in Delmenhorst und Oldenburg“.

„Die Kontrollmechanismen müssen besser zusammengeführt werden“, sagte die SPD-Politikerin und kündigte eine Änderung des Krankenhausgesetzes noch in diesem Jahr an. Krankenhäuser, die die neuen Standards nicht erfüllen würden, müssten mit finanziellen Nachteilen rechnen.

Dr. Dirk Tenzer, Geschäftsführer des Klinikums Oldenburg, hält dagegen wenig von zusätzlichen staatlichen Kontrollen. „Vielmehr müssen wir das Bewusstsein der Beschäftigten ändern. Denn bislang hat es niemand für möglich gehalten, dass in den eigenen Reihen jemand sein könnte, der Patienten tötet.“

Professor Dietmar Heubrock vom Institut für Rechtspsychologie der Uni Bremen sagte, Krankenhäuser, aber auch die Gesellschaft insgesamt blendeten solche Gefahren eher aus. Das sei falsch. Man müsse sich im Krankenhaus stets mit einer solchen Möglichkeit auseinandersetzen. Nur dann seien alle stark sensibilisiert und mögliche Täter gewarnt.

Pflegepersonal soll genauer überprüft werden

Annette Schwarz, CDU-Landtagsabgeordnete aus Delmenhorst, stimmte dem zu und forderte zugleich eine Entlastung des Pflegepersonals, um eine bessere Zusammenarbeit zu gewährleisten. Sie forderte zudem, die Eignung von Pflegekräften genauer zu prüfen.

Alexander Ebert, Deutsche Stiftung für Patientenschutz, kritisierte eine mangelnde Gesprächskultur in Krankenhäusern. In den Teams müsse viel mehr miteinander gesprochen werden. Darüber hinaus fordert er eine bestimmte Haltung. Dazu gehöre zwingend eine Kultur des Hinguckens und des Handelns.

In der vergangenen Woche hat der angeklagte Krankenpfleger Niels H. gestanden, 30 Patienten im Krankenhaus Delmenhorst getötet zu haben. Ermittelt wird jedoch in rund 200 Fällen.