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„Klönschnack“ gegen Armut Bessere Chancen für Delmenhorster Kinder

Von Jasmin Johannsen | 06.06.2018, 21:43 Uhr

Akteure im Kampf gegen Kinderarmut stärker vernetzen und finanziell unterstützen: Das ist das Ziel des Projekts „Mitten drin“. Am Mittwoch wurde die Initiative in der VHS Delmenhorst vorgestellt.

„Kinderarmut ist ein brennendes Thema in Delmenhorst“, weiß Birgit Würdemann vom Deutschen Kinderschutzbund. Um die Teilhabe der Minderjährigen im Stadtgebiet zu stärken, besuchte sie gestern zusammen mit Christel Wolf (Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Niedersachsen), der Zeichnerin Britta van Hoorn und Christina Kruse (Gesundheitswissenschaftlerin) die Volkshochschule Delmenhorst. Hier präsentierten die vier Frauen das landesgeförderte Projekt „Mitten drin – Jung und aktiv in Niedersachsen“.

Lokale Angebote fördern

Ziel der Aktion sei es zum einen lokale Angebote für Kinder und Jugendliche finanziell zu fördern. Zum anderen sollen durch den „Klönschnack“ aber auch die Vereine, Verbände, gemeinnützigen Träger und die Ehrenamtlichen vor Ort stärker vernetzt werden. „Nicht immer kennen sich die Akteure untereinander“, berichtete Würdemann. Aus Verwaltung, Schule, Politik und Gesundheit nahmen 15 Vertreter und Vertreterinnen teil, tauschten sich aus, lernten aber auch viel dazu.

Kinderarmut bedeutet immer Familienarmut

Umfassenden theoretischen Input zum Thema gab Christina Kruse. Die Gesundheitswissenschaftlerin beschäftigt sich mit sozialer Ungleichheit und deren Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Für die Bertelsmann Stiftung und die Niedersächsische Landesvereinigung für Gesundheit entwickelte sie dahingehend Lösungsansätze. „Kinderarmut bedeutet auch immer Familienarmut“, machte Kruse deutlich. Die Hilfe müsse darum gezielt an die betroffenen Familien gehen und nicht großflächig über das Stadtgebiet verteilt werden.

Austausch mit Familien wichtig

Zudem sei es wichtig, dass die armen Familien selbst erklären, welche Angebote sie benötigen. „Da ist Austausch gefragt“, riet die Gesundheitswissenschaftlerin. Dass Armut schwerwiegende Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, die kulturelle und soziale Teilhabe von Kindern und Jugendliche hat, sei hinlänglich bekannt. „Dazu kommen Isolation, Diskriminierung und Scham“, erklärte Kruse. Gefühle, die die Kinder auch oft noch bis ins hohe Erwachsenenalter begleiten.

Bedürfnisse müssen an Kinder angepasst werden

„Trotz politischer Maßnahmen haben sich die Armutsquoten in den vergangenen Jahren kaum verändert“, beklagte die Gesundheitswissenschaftlerin. Sie appellierte an die Interessierten, dass die Angebote den Bedürfnissen der Kinder stetig angepasst werden müssten.

Viele Defizite im Schulalltag

„Nur so erreichen wir die Bedürftigen“, befand auch Würdemann. Nach dem Vortrag eröffnete sie die Diskussionsrunde, in der deutlich wurde, dass eine stärkere Zusammenarbeit der einzelnen Akteure im Stadtgebiet nötig sei. Überdies gäbe es Defizite bei der Beschaffung von Schulmaterialien, der Ferien- und Schwangerschaftsbetreuung. „Viele Kinder können nicht bei Schulausflügen mitmachen“, erklärte eine Teilnehmerin.

Die zusammengetragenen Ergebnisse wurden durch das „Graphic Recording“ von Britta van Hoorn auch bildlich festgehalten. Sie sollen nun ausgewertet und auf der Internetseite des Projektes veröffentlicht werden.