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Kolumne Flüchtlings-Kolumne: „Wenn ich auflege, fühle ich mich einsam“

01.12.2015, 19:34 Uhr

In der Kontroverse um die Bewältigung des Flüchtlingszustroms gehen die unzähligen menschlichen Einzelschicksale meist unter. Die Flüchtlinge selbst kommen selten zu Wort. Für das dk berichtet der in Delmenhorst lebende Flüchtling Maisam Hasanzada in einer Kolumne, was er hier erlebt und was ihn bewegt.

Ich will immer die Stimme meiner Eltern und Geschwister hören. Wenn ich die Stimmen meiner Familie höre, fühle ich mich wohl. Besonderes, wenn sie von ihrer Gesundheit erzählen.

Immer wenn ich mit ihnen telefoniere, will ich nie auflegen. Denn dann fühle ich, dass sie bei mir sind. Aber wenn ich das Telefon auflege, habe ich das Gefühl, einsam zu sein. Dann bin ich traurig. Manchmal fühle ich mich sehr schwach, weil ich meine Familie in einer gefährlichen Situation allein gelassen habe.

Einmal im Monat Kontakt zur Familie

Ich telefoniere nur einmal im Monat mit meiner Familie, weil sie in einem kleinen Dorf wohnen. Dort gibt es keine Internetverbindung und sie haben häufig auch kein Handynetz. Es ist manchmal sehr schwer, sie zu kontaktieren. Um überhaupt Empfang zu haben, müssen sie auf einen Berg steigen.

Häufiger Kontakt zu Bruder im Iran

Lange Gespräche sind deshalb nicht möglich. Wir reden meistens nur fünf bis zehn Minuten. Das Telefonieren ist in Afghanistan sehr teuer. Das Guthaben spielt eine große Rolle: Wenn ich hier ein Guthaben auf meinem Handy habe, rufe ich sie deshalb an.

Mit meinem Bruder habe ich häufiger Kontakt. Er wohnt im Iran und hat dort Internet. Deshalb können wir so Kontakt halten.

(aufgezeichnet von Jan Eric Fiedler)