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Kolumne Quergedacht: Die Nase mal wieder gestrichen voll

Von Marco Julius | 12.12.2018, 10:23 Uhr

Warum ein Schnupfen selten allein kommt und Patienten ihren Arzt anflunkern. Eine neue Folge Quergedacht.

Wer hat nicht mal die Nase gestrichen voll? Und reagiert entsprechend verschnupft? Gerade in dieser Jahreszeit haben Erkältungsviren leichtes Spiel. Und so ein Schnupfen, der kommt ja nicht allein. Er bringt sein Schwesterchen mit, das Halsweh. Und das Brüderchen, der Husten, ist meist auch nicht weit. Gerade Männer bringt das an ihre Grenzen. Sie sammeln dann ihre vollgeschnäuzten Taschentücher und türmen sie als Mahnmal ihres unermesslichen Leidens in beachtliche Höhen. Heiße Zitrone soll da helfen, Eukalyptusöl auf der Brust, roher Meerrettich oder ein intensives Nachtgebet. Man muss nur dran glauben.

Patienten lügen ihrem Arzt die Taschen voll

Bei all dem Leid kommt eine Nachricht jetzt aber doch überraschend: Patienten lügen ihrem Arzt den Kittel voll, wenn es um ihre Gesundheit geht. Sie singen ihrem Doc dabei keineswegs ein Klagelied. Ganz im Gegentum: Bis zu 80 Prozent der Patienten, das hat eine Umfrage des Fachmagazins Jama ergeben, täuschen ihrem Arzt chronisch ein gesundes Leben vor: Sport? Fast täglich, Herr Doktor! Ernährung? Zweimal die Woche Fisch. Obst und Gemüse jeden Tag, Fritten nur an hohen Feiertagen – und Alkohol kommt mir nicht ins Haus.

Ein Hausarzt weiß längst, dass er die Angaben zur körperlichen Ertüchtigung mindestens halbieren und die zum Alkoholkonsum verdoppeln muss, um annähernd auf einen halbwegs lebensnahen Wert zu kommen. Die Patienten wollen von ihrem Arzt geschätzt werden, sagen die Wissenschaftler. Ob der davon manchmal die Nase voll hat?