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Kolumne Quergedacht: Diesen Text können Sie getrost vergessen

Eine Kolumne von Marco Julius | 03.07.2019, 11:23 Uhr

In der neuen Folge unserer unvergesslichen Kolumne geht es um Fluch und Segen der Vergesslichkeit.

Eine richtig gute Idee für den heutigen Text ist mir in den Sinn gekommen. Ist schon ein paar Tage her. Pures Gold für den geneigten Leser, ganz sicher. Nur ein bisschen daran feilen, noch ein paar Girlanden drehen – und schon stünde er da, der Text, der Preise einheimst. Wie wunderbar leicht das Leben sein kann. Doch dann, dann ist mir die Idee irgendwie abhandengekommen. Weg. Perdu. Eben noch präsent, nun nicht mehr greifbar. Vergessen.

National I forgot Day

Mag sein, dass das daran liegt, dass Anfang der Woche in den Vereinigten Staaten von Amerika der „Habe-ich-vergessen-Tag (National I forgot Day)“ gefeiert wurde. Oder war das in Kanada? Habe ich vergessen. Nee, es muss doch in den USA gewesen sein. Die Eselsbrücke war: in Amerika haben sie noch immer diesen Präsidenten, den du echt vergessen kannst.

Was sagt eigentlich Honoré de Balzac?

So wie den Urlaubsort, über den es werbend heißt: „Hier können Sie drei Meere sehen: gleich vorn das Häusermeer, da das Nebelmeer und da weiter hinten gar nichts mehr.“ Der Witz ist zu flach? Wie wäre es dann mit dem hier? Warum summen Bienen? Weil sie ihren Text vergessen haben.

Vergesslichkeit kann durchaus eine Qual sein. Wo ist die Brille? Wo das Handy? Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Montag? Vergesslichkeit kann aber auch ein Geschenk sein. Ein berühmter Franzose, ein honorabler Mann, der Name ist mir grad entfallen, hat einmal etwas gesagt, an das wir uns immer entsinnen sollten: „Die Erinnerungen verschönern das Leben, aber das Vergessen allein macht es erträglich.“