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Kolumne Quergedacht: Fernseher so flach wie RTL 2

Eine Kolumne von Marco Julius | 21.11.2018, 08:12 Uhr

Dampfplauderer Gottschalk in Sorge, das Verglimmen des Lagerfeuers der Nation, Bildschirme flach wie Privatfernsehen: Es lebe hoch, das deutsche Fernsehen.

Das Fest rückt immer näher! Spüren Sie es auch? Schon am 21. November ist der Welttag des Fernsehens. Fernsehen? „Was war das noch?“, mögen junge Menschen jetzt denken. Ach ja, dieser dickbauchige Apparillo, nach dem sich früher alle richten mussten, weil die Sendungen pünktlicher begannen als Züge der Deutschen Bahn abfahren. Heute wird längst gestreamt, die Mediathek ist 24/7 verfügbar, der Flimmerkasten oft nur ein Laptop.

Das Fernsehen war einmal das Lagerfeuer der Nation, Verspätungen gab es nur, wenn Gottschalk auf Sendung war. Wobei es geschmacklos ist, den Herbstblonden und Feuer derzeit in einen Zusammenhang zu bringen, der Dampfplauderer hat ja gerade ernstere Sorgen als den Niedergang des Fernsehens. Stichwort Waldbrand.

Beide Augen zu

Wer alt genug ist, um sich an das Wählscheibentelefon zu erinnern, der kennt noch das Testbild. Und der weiß auch, dass TV-Geräte nicht immer so flach waren wie das Programm von RTL 2. Und sie waren auch nicht immer so groß wie heute, wo man den Eindruck gewinnt, der Bildschirm sei direkt aus Saal 1 des Multiplexkinos gestohlen. Fernsehen macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger. Kann sich jeder aussuchen, was auf ihn zutrifft. So oder so: Das TV-Programm ist ganz okay, wenn man mal beide Augen zudrückt.