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Kolumne Quergedacht: „No-Brainer“ der Erinnerungskultur

06.09.2017, 11:23 Uhr

Manche Punkte muss man nicht diskutierend. Dazu hat man den gesunden Menschenverstand. Die aktuellen Fragen, mit denen der „Wahl-O-Mat“ die aktuellen Standpunkte der Politik abbildet, lassen daran aber zweifeln. Eine neue Folge „Quergedacht“.

Für das englische „No-Brainer“ hat das Deutsche noch keinen griffigen Ausdruck erfunden. Ein „No-Brainer“ ist etwas, für das man das Hirn eigentlich nicht benutzen müsste – etwas, was allgemeiner Konsens sein sollte. Beispiele dafür finden sich im aktuellen „Wahl-o-Mat“. Der Online-Fragebogen zur Bundestagswahl von der Bundeszentrale für politische Bildung, der die aktuellen Themen der politischen Parteien abbildet, ist alle paar Jahre nicht nur ein Indikator dafür, was gerade vonseiten der Parteien in der Diskussion ist. Er ist, wenn man die Fragen über die Jahre vergleicht, damit auch ein kleiner Schmöker darüber, wie sich die deutsche Zivilgesellschaft entwickelt. Derzeit könnte man sagen: Es geht rückwärts Richtung Vergangenheit.

Erstaunliche Fragen

Denn es gibt da nicht nur etwa die erstaunlicherweise noch zu erörternde Frage, ob Kinder gegen ansteckende Krankheiten geimpft werden sollten. Aktuell wird auch gefragt, ob der Völkermord an Juden weiter zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur sein sollte, oder ob der Bund weiter Projekte gegen Rechtsextremismus fördern sollte.

Chance, wertvolles Wissen weiterzutragen

Echt jetzt? Darüber müssen wir reden? Wir sollen reden darüber, ob Deutschland die mörderischste Episode seiner Geschichte vergessen soll? Und ob wir weiter etwas gegen entsprechende Tendenzen tun sollten? Anstatt die Erinnerung an industriellen Mord zu pflegen, aus Pflicht und Empathie gegenüber Angehörigen, und nicht zuletzt als Chance, etwas Grundlegendes über Verblendung und Manipulierbarkeit ganzer Völker gelernt zu haben und das als wertvolles Wissen weiterzutragen?

Darüber lässt sich nicht diskutieren. Genau das ist ein „No-Brainer“.