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Kolumne Quergedacht: Wähle 3-3-3 auf dem Telefon!

Eine Kolumne von Marco Julius | 22.05.2019, 11:23 Uhr

In der neuen Folge unserer kabellosen Kolumne „Quergedacht“ geht es um Telefone, gelbe Zellen und das Älterwerden

Es ist ein sicheres Zeichen, dass man alt wird, wenn die Kerzen teurer sind als die Geburtstagtorte. Oder wenn man lebhafte Erinnerungen daran hat, dass das Telefon einst ein sich ständig verhedderndes Kabel, einen fes-ten Platz im Hausflur und eine Wählscheibe hatte. Wer Worte wie Fernsprechapparat, Ferngespräch oder fernmündlich noch kennt, der ist der Wiege wohl ferner als der Bahre – und der kennt auch noch die gelben Telefonzellen, in die man einst Groschen – für die Jüngeren: so etwas ähnliches wie Cent – werfen musste. Die letzte gelbe Zelle, die auch Schutz vor Regen und Platz für küssende Paare bot, ist bereits im vergangenen Jahr abgebaut worden.

Klingelingeling

Heute hat ja jeder mindestens ein Smartphone. Und telefonieren gilt sowieso als aus der Zeit gefallen. Kurz- und Sprachnachrichten sind angesagt. Mit dem Handy kann man so ziemlich alles machen. Sich lustige Videos von der Insel Ibiza anschauen, seine am Tag zurückgelegten Schritte zählen, Selfies machen. Aber telefonieren? Ruf! Mich! Nicht! An! Wer doch anruft, stört. Und stellt gleich gleich zu Beginn des Gesprächs die rein rhetorische Frage: Störe ich?

Und deshalb überrascht jetzt eine Auswertung der Bundesnetzagentur. Im Jahr 2018 hat das Handy das Festnetztelefon abgehängt. Erstmals haben die Deutschen mehr vom Mobiltelefon (119 Milliarden Minuten) aus angerufen als vom stationären Apparat zu Hause (107 Milliarden Minuten), der allerdings auch längst ohne Kabel, Wählscheibe und festen Platz im Flur auskommt.

Wie konnte es dazu kommen? Telefonmuffel haben da eine Idee: Vom Smartphone aus gibt es so herrliche Ausreden, wenn man keine Lust mehr auf Palaver hat. „Oh, ich fahre gleich in einen Tunnel.“ – „Ich verstehe Dich ganz schlecht. Hallo?“ – „Mein Akku ist gleich alle.“ – „Bin gerade in einem Funkloch.“