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Kommentar Ansinnen zur Unzeit

Meinung – Kai Hasse | 23.10.2018, 20:54 Uhr

Das Staatstheater Oldenburg plant, ein Theaterstück über die Högel-Morde in Oldenburg und Delmenhorst zu inszenieren. Solange die Hinterbliebenen noch in der Aufarbeitung der Fälle stecken, ist das ein Ansinnen zur Unzeit. Ein Kommentar.

In Deutschland herrscht Kunstfreiheit. Kann also das Staatstheater Oldenburg thematisieren, was es will? Nein. Die Kunstfreiheit ist zwar Grundrecht. Das heißt aber nicht, dass in der Kunst alles legitim ist. Es gilt, die Kunstfreiheit mit der Unantastbarkeit der Menschenwürde abzuwägen. Und die Würde der betroffenen Menschen hat Vorrang. Es kann den Hinterbliebenen der Opfer Högels kaum egal sein, ob ein Theater den Fall für ein Stück nutzt. Der Gedanke, das Morden in populärer Form darzustellen, ist verständlich. Das kann lehren und informieren, und Zuschauer können sich mit Schuld, Scham, Sühne und Trauer auseinandersetzen. Ein gutes Ansinnen. Aber nicht jetzt, wenn die Hinterbliebenen selbst noch versuchen, das Geschehene zu verarbeiten.

Trauernde haben ein Recht darauf, ihr Los erst für sich zu verarbeiten und der juristischen Aufarbeitung zu folgen, bevor das Thema von Anderen nochmals gedeutet und interpretiert wird – und sie so in der Gestaltung ihres persönlichen Lebens beeinflusst. Und noch ist noch nicht einmal gewiss, ob nicht noch weitere Morde bekannt werden.