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Kommentar Mordserie von Niels Högel: Kollegen tragen Mitschuld

Meinung – Eyke Swarovsky | 28.08.2017, 17:48 Uhr

Dutzende Menschen hat Niels Högel auf dem Gewissen. Doch so weit hätte es nicht kommen müssen. Die Kollegen hätten nicht verschweigen dürfen, dass auf ihrer Station etwas nicht stimmt. Ein Kommentar.

Das Ausmaß der Mordserie von Niels Högel ist schier unbegreiflich. Wie kann ein Mensch dazu fähig sein, Gott spielen zu wollen und über das Leben von Patienten zu bestimmen, nur um das eigene Ego aufzuwerten? Diese Frage wird wohl niemand außer dem Mörder selbst beantworten können. Auf die Frage, warum es überhaupt soweit kommen konnte, gibt es vonseiten der Ermittler aber mittlerweile eine eindeutige Antwort: Weil die damaligen Kollegen trotz deutlicher Sachlage weggeschaut haben. Weil sie es nicht wahrhaben wollten, dass offenbar jemand aus den eigenen Reihen Menschen tötet.

Ein Versagen auf ganzer Linie

Der Leiter der Soko „Kardio“ betonte am Montag, dass ein großer Teil der Morde hätte verhindert werden können, wenn die Polizei frühzeitig eingeschaltet worden wäre. Schon der Geschäftsführung des Klinikums Oldenburg lagen die Statistiken zu der signifikant gestiegenen Sterberate im Zusammenhang mit Dienstzeiten von Högel vor. Das Klinikum blieb jedoch untätig, lobte ihn sogar mit einem guten Zeugnis weg nach Delmenhorst. Auch hier gab es schnell handfeste Beweise. Doch die verantwortlichen Kollegen schwiegen, schauten weg und hielten Högel nicht auf. Offenbar ein Versagen auf ganzer Linie.

Meldesystem muss zur Pflicht werden

Die Menschen, die bemerkt haben, dass auf ihrer Station etwas nicht stimmt und trotzdem wegschauten, müssen ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden. Denn sie tragen eine Mitschuld an den vielen Todesfällen.

Der Fall Högel zeigt deutlich: Ein anonymes Meldesystem muss in allen Krankenhäusern zur Pflicht werden. Und zwar so schnell wie möglich.