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Kommentar Steigende Rettungsdiensteinsätze: Erschreckende Entwicklung

Meinung – Frederik Grabbe | 02.07.2018, 12:32 Uhr

Die Zahl der Einsätze des Rettungsdienstes in Delmenhorst und im Landkreis steigt weiterhin an. Einen großen Teil der Fahrten verursachen Patienten mit Bagatellbeschwerden, die jeden vierten Fall ausmachen. Eine erschreckende Entwicklung. Ein Kommentar.

In Delmenhorst rücken die Rettungsdienste in jedem vierten Fall ohne echte Not aus. Und jedes Jahr werden es mehr Fälle. Eine erschreckende Entwicklung. Von dem Umstand einmal abgesehen, dass ein Rettungswagen, der wegen Schnupfen im Einsatz ist, nicht die Opfer eines Verkehrsunfalls versorgen kann, ist der Kostenaufwand für solche Bagatelleinsätze immens. Jeder Einsatz will bezahlt werden und wird am Ende mit den Krankenkassen abgerechnet. Den Preis für die Unwissenheit einiger Patienten zahlt am Ende die Allgemeinheit. Doch sollten Hilfesuchende nicht verteufelt werden. Ist der Schmerz im Arm Folge des Sports am Wochenende? Oder doch ein Herzinfarkt? Diese Diagnose darf Laien nicht zugemutet werden.

Wie geht man nun gegen diese Fehlentwicklung vor? Feuerwehrchef Stalinski hat recht, wenn er meint, die ärztliche Bereitschaft müsse viel mehr Aufklärung bieten. Das Netz an Versorgungsmöglichkeiten außerhalb der Öffnungszeiten der Hausarztpraxen muss bekannter werden, um die echte oder gefühlte Hilflosigkeit der Menschen aufzufangen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in Zeiten der gesellschaftlichen Alterung die Dichte an Hausarztpraxen gerne zunehmen dürfte. Auch dort ist anzusetzen.