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Komödie im Kleinen Haus Ungebildet, aber gerissen: Ahnungslose Engel in Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg | 14.10.2015, 18:46 Uhr

Zwei ältere Damen versuchen, durch Kreditkartenbetrug noch einmal auf eine große Reise zu gehen. Das hat für die „ahnungslosen Engel“ ein gerichtliches Nachspiel.

Wenn schon, denn schon: 13 Länder in 24 Tagen. So etwas nennt man Weltreise. Die Schwestern Marie Luise (Anita Kupsch) und Anne Rose Kramer (Chariklia Baxevanos) sind zwar schon alt, viel erlebt haben sie aber noch nicht – jedenfalls nicht für den eigenen Geschmack. Da eröffnet sich den beiden Unzertrennlichen unverhofft eine sagenhafte Chance: Dank zweier Kreditkarten, die sie irrtümlich per Post erhalten, können sie auf einmal „ohne zu zahlen“ einkaufen – und buchen umgehend die große Reise.

Spektakuläre Reise, fremde Kreditkarte

Erst tags zuvor hatte ihnen doch ihr Nachbar Eduard Janson (Jochen Stern), ein betuchter Rentner, von seinen Reisen in Ferne vorgeschwärmt. Leichtes Spiel also für „Erlander aus dem Reisebüro“ (Markus Bader), den beiden die spektakuläre Weltreise aufzuschwatzen, glauben die beiden Damen doch offenbar tatsächlich, dass am Ende nicht sie für die große Sause aufkommen werden, sofern sie nur immer fleißig ihre neuen Kreditkarten zücken.

Ungebildet, aber gewieft und gerissen

Regisseur Manfred Langner, der Erich Ebermayers Komödie „Zwei Ahnungslose Engel“ aus dem Jahr 1969 an der „Komödie im Bayerischen Hof“ inszeniert und aktualisiert hat, zeichnet im Kleinen Haus das Bild zweier zugleich naiver und erschreckend ungebildeter, aber doch irgendwie gewiefter, vielleicht gar gerissener Damen. Der Zuschauer weiß nicht recht, was ihnen wirklich zuzutrauen ist.

Auch die unweigerliche Bauchlandung der Kramers arbeitet Langner geradezu optimal heraus: In Form eines erfrischenden Films ohne Dialoge zeigt er dem Publikum via Leinwand, wie die Damen vergnügt durch die Welt fliegen, es mächtig krachen lassen – und schließlich in Handschellen abgeführt werden.

Unglaubwürdige Geschichte, der Klamauk rettet den Applaus

Dann aber wird es fad. Der Rest des Stücks spielt in einem Gerichtssaal, in welchem sich die Schwestern verantworten müssen. An dieser Stelle kommt der Regisseur mit seinen Aktualisierungen des alten Stoffs nicht mehr hinterher. Die ohnehin fantastische Geschichte des Autors, seinerzeit aber immerhin vor dem Hintergrund realer Kreditkarten-Betrugsserien verfasst, erscheint aus heutiger Sicht vollständig unglaubwürdig. Was bleibt, ist Klamauk. Diesen immerhin beherrscht die Komödie im Bayrischen Hof. Das Publikum dankt es den Akteuren mit großzügigem Beifall.