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Komödie mit TV-Prominenz Großes Kino im Kleinen Haus in Delmenhorst

Von Frederik Grabbe | 16.12.2016, 16:56 Uhr

Es ist ein erbitterter Kampf: Anton Herberg braucht einen Kredit. Der Bankenchef will diesen aber nicht gewähren. Was folgt, ist ein eisenharter Kampf – um Geld, und um die eigene Selbstsicherheit. Der Kredit am Donnerstag im Kleinen Haus mit den TV-Schauspielern Ilja Richter und Markus Majowski war großes Kino.

Was passiert, wenn das Wort eines Menschen nichts mehr taugt, wenn das eigene Verhalten nur noch nach Zahlen anstatt nach Vertrauen in den Gegenüber austariert wird? Diese Frage warf das Theaterstück „Der Kredit“ am Donnerstagabend im Kleinen Haus auf. Vor gut gefülltem Haus traten die Schauspieler Ilja Richter („Mein Führer“, „Disco“) und Markus Majowski („Höllische Nachbarn“, „Die dreisten Drei“) auf die Bühne.

Zahlenmensch vs. Bittsteller

So einen Kunden will niemand. Der Filialleiter einer Bank (Majowski) muss den Klienten Anton Herberg (Richter) ertragen, der ihn unablässig um einen Kredit anbettelt – und der sich einfach nicht abwimmeln lässt. Der Bankenchef ist ein Zahlenmensch, und als solcher blickt er auf die Sicherheiten eines Kunden. Und bei Herberg sind diese quasi nicht vorhanden. „Aber mein Fall ist anders. Ich brauche das Geld wirklich. Sie erhalten es zurück. Darauf haben sie mein Wort“, insistiert Herberg immer wieder.

Der Zweifel frisst sich fest

In seiner Not geht Herberg zum Angriff über. Erhält er den Kredit nicht, will er die Frau des Filialleiters verführen und ihn so ins persönliche Dilemma stürzen. „Unsinn!“, tut dieser die Drohung ab – nur um beiläufig zu fragen: „Wie würden Sie das denn machen?“ Die Antwort: „Na, wie man das halt so macht.“ Auf einmal bringt der Bittsteller eine verblüffende Selbstsicherheit an den Tag und kann tatsächlich Zweifel sähen – aber das passiert eher zufällig. „Sie werden auf einem Campingplatz in Gropiusstadt landen“, droht Herberg einmal. Das haut den Filialleiter um. Ist doch sein Bruder selbst schmerzvoll geschieden und lebt in ebenjenem sozialen Brennpunkt in Berlin-Neukölln. „Woher wissen sie das?“

Der Rauswurf ist unvermeidlich

Herberg taumelt gewisserweise von einer Drohung zur nächsten und setzt irgendwie auf tollpatschige Art und Weise seine Treffer. Stück für Stück gibt der Filialleiter immer mehr Details aus seinem Leben preis, und die weiß der Kunde zu nutzen.

Der Filialleiter ist getroffen, und doch folgt der unvermeidliche Rauswurf. Aber erst nach langem Kampf. „Ich werde mir ,Nein‘ zwei Mal auf den Arsch tätowieren lassen, damit Sie mich verstehen.“ Als Herberg dann gegangen ist, sitzt der Zweifel aber noch immer tief. Der Filialleiter ruft seine Frau an („Hasi? Ich bin’s“), will sie warnen – und verliert nur noch mehr seine Fassung.

Flehen, bitten, brüllen

„Der Kredit“ ist eine Komödie, die ein wenig Anlaufzeit braucht. Aber was Richter und Majowski bieten, wenn das Stück in Fahrt kommt, ist großes Kino. Majowski bittet, fleht, schreit und brüllt, um den enervierenden Kunden aus dem Büro zu treiben, dass es eine Freude ist. Richter verkörpert den verzweifelten Bittsteller auf wunderbar besserwisserische und nervige Weise. Die größten Momente sind jene, in denen Majowskis Fassade als beinharter Zahlenmensch bröckelt und sich sichtbar die Unsicherheit in ihn hineinfrisst. Und das in einer Komödie, wohlgemerkt.