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Konflikt um Neubau der B212: Delmenhorster Kopfschütteln über Bremer B-212-Vorstoß

Von Michael Korn | 15.02.2016, 20:55 Uhr

Bremen sieht den Bau der B212 neu offenbar als chancenlos an. Ohne Anschluss an Delmenhorst fehlten der Straße Verkehrsströme und damit die Wirtschaftlichkeit. Delmenhorster Vertreter äußern Unverständnis über diese Haltung.

Im Tauziehen um die richtige Streckenführung der umstrittenen neuen Bundesstraße B212 durch den äußersten Delmenhorster Stadtnorden hat ein Bremer Vorstoß Kopfschütteln bei den niedersächsischen Nachbarn ausgelöst: Bremen hält den Weiterbau der Straße von Berne bis zum Güterverkehrszentrum (GVZ) aus wirtschaftlichen und verkehrlichen Gründen für nicht mehr tragbar. Daher habe das Vorhaben bei der Neuauflage des Bundesverkehrswegeplans im März auch keine Chance auf Berücksichtigung, wird das Verkehrsressort in Medien zitiert. In Delmenhorst lösen diese Einlassungen Unverständnis aus.

OB Jahnz: Bremen hat nicht mit uns gesprochen

Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz äußerte sich „verwundert“, weil es in dieser Hinsicht weder eine Kontaktaufnahme aus Bremen noch aus Hannover gegeben habe. Er habe keinerlei Signale, dass die B212 neu nicht in den Verkehrswegeplan aufgenommen werde. Niedersachsen hatte die Straße ohne Auf- und Abfahrten mit der Stedinger Landstraße und mit noch offener Streckenführung als vordringlichen Bedarf nach Berlin gemeldet. Jahnz sprach sich für den Bau aus als wichtiges Verkehrsprojekt für die Region aus.

Susanne Mittag (SPD): Wir brauchen den Lückenschluss

Die Delmenhorster SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag bekräftigte, es gebe keinen Anlass, die B212 neu in Frage zu stellen: „Wir brauchen den Lückenschluss.“ Mittag erinnerte Bremen daran, wofür das Vorhaben einst geplant worden war und inzwischen auch mit neuer Huntebrücke und Berner Ortsumgehung in Bau ist: Der Sinn sei die Anbindung der Unterweserhäfen Brake und Nordenham an das Bremer GVZ – ein wichtiger Hinterlandanschluss für den Schwerverkehr. Es sei nicht um die Anbindung von Delmenhorst oder die Planung von Entwicklungsachsen gegangen. Das Land Niedersachsen habe ein Moderationsverfahren eingeleitet, um bei den beteiligten Kommunen und Interessengruppen eine weitestgehende Übereinstimmung bei der Trassenführung zu erreichen.

Astrid Grotelüschen (CDU): Wirtschaftlichkeit spielt eine Rolle

Die hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen äußerte sich indes skeptisch, was die Erfolgschancen der B212 angeht: Dass das Land ergebnisoffen ohne Trassenpriorisierung den Weiterbau angemeldet habe, habe sie verwundert. Nutzen und Wirtschaftlichkeit der Bundesstraße seien Aspekte, „die in der Bewertung eine Rolle spielen“.

Landesbehörde: weniger Verkehr ohne DEL-Anschluss

Joachim Delfs, Geschäftsbereichsleiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (Oldenburg) erklärte auf Anfrage, am Montag habe es eine Lenkungskreissitzung zur Trassenabstimmung gegeben – an der auch Bremen teilgenommen habe. Informationen über ein mögliches Scheitern des Projekts hätten indes nicht vorgelegen. Delfs bestätigte zwar die Bremer Sicht, dass es mit fehlendem Anschluss an die B212 an das Delmenhorster Straßennetz weniger Verkehr in Richtung GVZ geben werde. Doch dies betreffe nur einen kleinen Teilabschnitt und könne nicht die gesamt, rund 13 Kilometer lange B212 neu zwischen Harmenhausen und A281 in Frage stellen. Delfs: „Es würde doch keinen Sinn machen, die B212 neu jetzt einfach enden zu lassen ohne Anschluss ans GVZ.“