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Konflikt um Wollepark-Blöcke Delmenhorster OB spricht von menschlichen Schutzschildern

Von Michael Korn | 25.05.2017, 15:00 Uhr

Der Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz hat Eigentümern und Hausverwaltung im Wollepark eine „wahrscheinlich hohe kriminelle Energie“ vorgeworfen. Geld für Gas und Wasser ist noch immer nicht gezahlt worden.

Im Konflikt um die eingestellte Gas- und Wasserversorgung in zwei Wollepark-Hochhäusern hat Oberbürgermeister Axel Jahnz den Eigentümern und der Hausverwaltung eine „wahrscheinlich hohe kriminelle Energie“ vorgeworfen. Auf dk-Anfrage sagte er, es gehe den betreffenden „Immobilienhaien nur um Geldschneiderei“. Weiterhin sind bei den Stadtwerken keinerlei Abschlagszahlungen für Gas und Wasser eingegangen, obwohl die betroffenen Mieter an die Hausverwaltung zahlen. 130.000 Euro sind somit weiterhin offen.

Stern TV zeigt katastrophale Zustände

Am Mittwoch hatte „Stern TV“ mit drastischen Bildern über die unzumutbaren Zustände in den etwa 80 Wohnungen berichtet. Die rund 350 Bewohner müssen teilweise mühsam Trinkwasser aus einer Zapfstelle vor den Blocks bis in den achten Stock schleppen und ihre Toilettengänge in Dixie-Klos verrichten. Der zunehmende Schimmelbefall nimmt gesundheitsgefährdende Ausmaße an. Der TV-Beitrag zitiert Bewohner, wonach die Eigentümer bis zu 600 Euro für eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung verlangen. Auch Stadtwerke-Chef Hans-Ulrich Salmen bekräftigt vor der Kamera, dass die von den Mietern gezahlten Nebenkosten „irgendwo zwischen den Eigentümern und Hausverwaltung hin- und hergeschoben werden und versacken“. Das seien „kriminelle Strukturen“. Die Stadtwerke haben Strafanzeige gestellt und die Stadt hat den Eigentümern ein Kaufangebot unterbreitet mit 5000 bis 6000 Euro je Wohnung.

Hausverwalter abgetaucht

Ebenso wie Stern TV gelingt auch der Stadt kein Kontakt zum Huchtinger Hausverwalter, der angeblich Mitte Juni wechseln soll. Jahnz: „Es gibt überhaupt keine Reaktion auf unsere Anfragen. Das zeigt die Verantwortungslosigkeit.“ Die betroffenen Menschen in den Häusern 11 und 12 würden als „Schutzschilder“ missbraucht. Rechtliche Zwangsmaßnahmen bräuchten leider ihre Zeit, mehr könne die Stadt gegenwärtig nicht tun. Der OB hofft unterdessen, dass das Land Niedersachsen bald ein Wohnungsaufsichtsgesetz erlässt ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen. Damit können Städte Wohnungen für unbewohnbar und somit nicht vermietbar deklarieren.

Umzugsangebot vergeblich

Wie Jahnz weiter bestätigte, wird das Umzugsangebot in Notunterkünfte von den Wollepark-Mietern kaum wahrgenommen. Nur eine Familie hat sich darauf eingelassen. Viele Mieter sorgen sich um ihr Hab und Gut sowie um eine langfristige Bleibe.