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Konsequenz aus Arbeitsniederlegung Abmahnungen sorgen für Streit bei Mercedes

02.01.2015, 21:41 Uhr

Unruhe im Bremer Mercedes-Benz-Werk: Erst protestierten Tausende Bandarbeiter im Dezember gegen Planungen des Werks, die Logistikabteilung an Fremdfirmen auszulagern, jetzt erhielten 600 dieser Mitarbeiter dafür Abmahnungen. Betriebsrat Gerwin Goldstein sprach von einer „Sauerei“.

Für die Konzernzentrale sind die verschickten Briefe ein „völlig normaler“ Vorgang. „Ein Verstoß gegen den Arbeitsvertrag zieht immer eine Abmahnung nach sich“, sagte Unternehmenssprecherin Sofia Stauber. Gleichzeitig kündigte sie an, dass Daimler keine weiteren Abmahnungen mehr verschicken würde: „Der Vorgang ist abgeschlossen.“

Das allerdings ist bemerkenswert, hatten sich doch weit mehr als nur die abgemahnten 600 Kollegen an den drei Streik-Aktionen beteiligt, die sich über jeweils eine Schicht hinzogen und die Betriebsrat Goldstein als rechtlich zulässige „Informationsveranstaltung“ bezeichnete. Hintergrund: Noch bis Februar herrscht Friedenspflicht zwischen den Tarifparteien. Streiks sind in dieser Zeit unzulässig.

An den Aktionen hatten sich allein am 11. Dezember rund 2500 Mitarbeiter beteiligt, waren übers Gelände gezogen und hatten unter anderem Lastwagen blockiert. Die Proteste richteten sich gegen die Fremdvergabe einzelner Bereiche und 92 angekündigte Zusatzschichten an Wochenenden ab 2016. Die zu den Protesten nicht informierte Werksleitung bat kurz vor Weihnachten 80 Mitarbeiter zu „Personalgesprächen“, in denen die Mitarbeiter im Beisein eines Betriebsrats unter anderem gefragt worden sein sollen, wen sie bei den Aktionen noch gesehen hätten.

Die Pläne des Konzerns haben auch damit zu tun, dass in Bremen 2016 rund 80000 Wagen mehr gebaut werden sollen. Dafür braucht Daimler auch Sonderschichten der aktuellen Belegschaft. Das wollen die Arbeitnehmer nicht akzeptieren. „Viele unserer Beschäftigten sind über 50. Die können das nicht mehr“, sagte Goldstein, Vertreter des linken Betriebsratsflügels.

Aber Neueinstellungen sind teuer – und die mit dem Betriebsrat ausgehandelte Leiharbeiter-Quote von acht Prozent ist ausgeschöpft. Die Lösung heißt „Outsourcing“, befürchtet Goldstein: Den betroffenen 140 Kollegen in der Logistik werden zwar andere Jobs angeboten – dies sicherte Werksleiter Andreas Kellermann zu. Ihre bisherige Arbeit aber übernehmen Fremdfirmen. Deren Mitarbeiter, so befürchtet Goldstein, verdienten statt deutlich über 20 Euro in der Regel weniger als zehn. Der Arbeitnehmervertreter bezeichnet das als „moderne Sklaverei“ und befürchtet zudem weiter gehende Pläne des Werks: Bis zu 700 Arbeitsplätze in Montagefertigung, Rohbau und Logistik könnten bis 2019 ausgelagert werden. Getragen vom kompletten Betriebsrat waren die wilden Streiks im Dezember nicht. Der Vorsitzende Michael Peters etwa sprach sich dagegen aus und setzt auf Verhandlungen. Die ersten Abmahnungen habe er noch verhindern können, sagte der Betriebsratsvorsitzende gegenüber Radio Bremen: „Ich werde mich auch diesmal wieder vor die Kollegen stellen.“