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Kontaktbeamter Norbert Zitterich Ein Delmenhorster Polizist zum Anfassen

Von Britta Buntemeyer | 25.06.2015, 19:21 Uhr

Seinen Humor hat sich der 60-Jährige immer bewahrt. „Man sollte nicht alles zu ernst nehmen“, meint er. Auch in der Langen Straße sorgt Zitterich regelmäßig für Recht und Ordnung.

„Wieso machen die Ostfriesen so?“ Norbert Zitterich hält sich salutierend die Hand über die Stirn. „Weil sie so nichts sehen würden.“ – und gleich darauf direkt vor die Augen. Gerade hat der Kontaktbeamte sein Fahrzeug vor dem Haus Hohenböken in der Langen Straße abgestellt, da kommt auch schon der erste Passant auf ihn zu, der sogleich locker-gewitzt begrüßt wird. Einen saloppen Spruch, den hat Zitterich immer auf den Lippen. „Man sollte Vieles nicht zu ernst nehmen und auch mal Fünfe gerade sein lassen“, sagt er. „Das ist eine Lebenseinstellung. Ich habe meinen Humor nie verloren. Ich frotzele gern, aber was Recht ist, muss auch Recht bleiben.“

Recht und Ordnung in der Langen Straße

Seit 41 Jahren steht Norbert Zitterich im Dienst der Polizei, seit 19 Jahren ist er Kontaktbeamter. Regelmäßig sorgt er auch in der Langen Straße für Recht und Ordnung, ist Ansprechpartner für die Bürger, verschafft ein Gefühl von Sicherheit. „Ich bin ein Polizist zum Anfassen“, erklärt der 60-Jährige. „Die Leute können mit ihren Problemen zu mir kommen. Ich möchte aber auch das Obrigkeitsdenken abbauen. Die Menschen sollen Vertrauen zur Polizei haben.“ Und das schon von Kindesbeinen an. Oft schon hat Zitterich Eltern zu ihren Kindern sagen hören: „Wenn du nicht gehorchst, dann nimmt der dich mit.“ Ein großes Problem. „Das schürt natürlich die Angst bei den Kindern. Wenn sie sich einmal verlaufen und einen Polizisten sehen, sollten sie auf ihn zugehen und keine Angst vor ihm haben.“

Von Nachbarschaftsstreit bis zu Ärger mit der Kommune

Passant Dietmar Bruns ist an diesem Tag die nach der Baustelle noch fehlende Beschilderung im Bereich der OLB ein Dorn im Auge. „Die Schilder kommen noch von der Stadt“, versichert Zitterich. Ein offenes Ohr, das hat der Polizist immer. Ob Nachbarschaftsstreitereien oder Ärger mit der Kommune – gern laden die Menschen ihre Probleme ab. Wenn nötig, ruft er die zuständigen Ämter an. Was das Bizarrste ist, das Zitterich bislang erlebt hat? „Da fällt mir eigentlich nichts ein. Für mich ist das alles Normalität.“ Spektakulär wurde es vor ein paar Wochen, als er gemeinsam mit Bürgern einen Ladendieb verfolgt und gestellt hat.

Jedes Anliegen nimmt der Beamte ernst, auch wenn es noch so abstrus erscheinen mag. „Wenn das Problem für den jeweiligen Menschen kein Problem wäre, würde er es mir nicht erzählen.“

Radfahren in der Fußgängerzone: ein großes Thema

Ein großes Thema: die Radfahrer in der Fußgängerzone. Mittags pfeift Zitterich fleißig Schüler vom Drahtesel. „Kollegen in Zivil haben mal beobachtet, wie Jugendliche auf dem Rad stehend um die Ecke geguckt haben. Als sie keinen Polizisten sahen, sind sie losgefahren.“ Manche sind gegen Radfahrer in der Fußgängerzone, andere wünschen sich ein Aufheben des Radfahrverbots, wieder andere, dass hier Autos fahren dürfen. Es gibt nichts, was es nicht gibt, sagt Zitterich, als eine Mitarbeiterin von Xenos auf ihn zukommt. Gerade hat jemand ihr Auto auf dem Parkplatz angefahren und ihm eine große Schramme verpasst. „Ich habe Sie hier gesehen und dachte: Der Mann schreit nach Arbeit“, scherzt sie noch. Prompt funkt Zitterich die Zentrale an. „Ein Streifenwagen ist unterwegs“, versichert er.

Verhindern, dass überhaupt etwas passiert

Sein Streifzug führt ihn – neben Märschen bis nach Adelheide – auch in die umliegenden Läden. Als Teil des Präventionsteams der Polizei soll allein schon seine Präsenz dafür sorgen, dass gar nicht erst etwas passiert und potenzielle Langfinger ihre Hände bei sich behalten. Daher stellt er sein Fahrzeug auch zentral vor dem Haus Hohenböken ab. Denn schon der Anblick des Polizeiautos hält viele Menschen davon ab, etwas Unrechtes tun.

„Na, noch nicht in Rente?“ scherzt ein weiterer Passant. Man kennt sich, plaudert kurz. Seinen Ruhestand schiebt Zitterich noch etwas nach hinten, er hat seinen Dienst verlängern lassen. Seinen Beruf liebt er zu sehr. Was er sich noch wünscht? „Dass die Menschen mehr miteinander sprechen. Dadurch könnte Vieles beseitigt werden.“ Aber auch dafür wird Norbert Zitterich sicherlich noch sorgen – mit einer Portion Humor und einem lockeren Spruch auf den Lippen.