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Konzert am 27. Mai in Oldenburg Gregor Meyle im Interview –„Ich bin ein fröhlicher Mensch“

Von Eyke Swarovsky | 12.05.2016, 15:04 Uhr

Gregor Meyle kommt am Freitag, den 27. Mai, für ein Konzert in die Weser-Ems-Hallen nach Oldenburg. Im Interview spricht er darüber, warum seine Konzerte ein „Blick in sein Wohnzimmer“ sind.

 Gregor, als du 2014 in der ersten Staffel von „Sing meinen Song“ bei VOX mitgemacht hast, warst du der klassische „Wohnzimmer-Musiker“. Mittlerweile füllst du große Hallen und fast jeder kennt dich. Hast du damit gerechnet, dass das VOX-Format nach „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“, der Castingshow von Stefan Raab 2007, für dich das zweite große Sprungbrett wird?

 Gregor Meyle: Ich wusste schon, dass das ’ne Menge bewegen kann. „Sing meinen Song“ ist ja auch ein tolles Format, in dem es wirklich um Musik geht. Dass es allerdings so knallt, das hätten weder ich noch mein Team gedacht. Gregor Meyle ist inzwischen ein kleines Unternehmen geworden, das das ganze Jahr über viele Menschen beschäftigt.

 Hat dich der Kontakt zu Multitalent Stefan Raab damals musikalisch weitergebracht?

Ja selbstverständlich. Stefan ist ein wahnsinniger Musiker und Produzent. Die ersten beiden Alben habe ich mit seinem ehemaligen Bassisten Claus Fischer produziert.

 „Keine ist wie du“ war schon vor „Sing meinen Song“ eines deiner bekannteren Lieder. Sarah Connor hat den Song aufgegriffen und auch auf ihrem Album „Muttersprache“ veröffentlicht. Wahrscheinlich wird der Titel mittlerweile sogar eher ihr zugeschrieben als dir. Findest du das schwierig oder freust du dich für Sarah, dass sie deinen Song weitergetragen hat?

Ich freue mich natürlich für Sarah. Sie hat ja mit „Muttersprache“ ihr erstes Album auf Deutsch gemacht und ich finde, ihre Muttersprache steht ihr fantastisch. Wenn ihr „Keine ist wie Du“ ein kleines Bisschen dazu verholfen hat, ihre Liebe zur deutschen Sprache auch musikalisch zu entdecken, dann ist das doch super. Ich sag‘ immer, ein Song geht auf die Reise und jeder macht dann etwas Anderes, Neues daraus.

 Du gehörst zu den Vertretern der „neuen Neuen Deutschen Welle“. So viele deutsche Titel gab es seit langem nicht in den Charts. Warum hast du dich dafür entschieden, deine Musik auf Deutsch zu schreiben?

Mein Deutsch ist besser als mein Englisch (lacht). Ich denke, es gibt generell eine Entwicklung in Deutschland, dass die Leute Lust darauf haben, Texte und Musik gleichzeitig zu verstehen und nicht erst übersetzen zu müssen. Die Dramaturgie in der Muttersprache ist einfach eine andere. Früher war man schnell dabei, deutschsprachige Texte in die Schlagerecke zu schieben. Da hat sich in den letzten 10 Jahren viel getan in allen Genres.

 Du hast auch schon in der Divarena in Delmenhorst vor vergleichsweise kleinem Publikum gespielt. Wie realistisch ist es, dass die Delmenhorster in Zukunft noch einmal ein Konzert in so intimer Atmosphäre erleben dürfen?

Wer genau hinsieht, weiß, dass wir auch immer wieder kleinere Locations spielen und auch keine Arenen-Tour machen. Unsere Auftrittsorte sind sehr bewusst ausgesucht. Wir wollen gar nicht zu groß werden. Im Moment ist die Nachfrage nach den Tickets sehr hoch und wir spielen die Locations, in denen wir als Band immer noch Intimität und Nähe zu den Fans transportieren können.

 Du zeichnest verantwortlich für eine neue Version des Disney-Songs „Dir gehört mein Herz“ aus Tarzan. Eine Nummer, die Phil Collins 1999 schrieb. Wie kam es dazu?

Disney hat angefragt und ich mag die Nummer sehr gerne. Es ist mir eine große Ehre, einem Song von Phil Collins meinen eigenen Stempel aufzudrücken.

 Auf der Bühne und im TV wirkst du eher etwas in dich gekehrt, manchmal melancholisch und nicht wie die große Rampensau. Ist diese Art wichtig für einen Singer-Songwriter?

Ich bin ein fröhlicher Mensch. Entspannt, aber manchmal auch nachdenklich. Unsere Konzerte sind eine Mischung aus Unterhaltung und einem „Blick ins Wohnzimmer“. Die Bühne ist mein Wohnzimmer. Der Vorteil davon ist, dass ich mich nicht wirklich beobachtet fühle. Ich lasse das Publikum daran teilhaben und lade sie in unser Wohnzimmer ein.

 Wann bekommst du eher Ideen für neue Songs, wenn du traurig oder wenn du fröhlich bist?

Musik ist ein Gefühl. Ich denke da nicht so viel drüber nach, sondern mache sie einfach. Ansonsten beobachte ich viel, was um mich herum passiert und darüber schreibe ich Songs. Und natürlich über Dinge, die ich selbst erlebt habe. Wenn man traurig ist, dann kann man die Musik als Ventil nutzen, Probleme zu verarbeiten. Ich schreibe aber auch gerne fröhliche Songs. Der Alltag ist wunderschön. Darin kann man viel entdecken.

 Wenn man dich, deine Musik und deine Karriere verfolgt, kann man feststellen, dass du dir und deinem Stil relativ treu geblieben bist. Hast du manchmal auch Lust auf Experimente? Was würdest du musikalisch gerne mal ausprobieren?

Wir experimentieren eigentlich sehr viel. In einer Sendung wie „Meylensteine“ zum Beispiel bietet sich die Chance, sich in alle Richtungen auszuprobieren. Dabei lernt man, dass sich Musik nicht in Schubladen packen lässt. Wenn sie berührt und bewegt, dann ist sie schön.

 Warum bist du Musiker geworden?

Die Musik steckte einfach in mir drin und wollte raus. Gitarre spielen war immer eine Leidenschaft von mir. Dann kam das mit dem Singen noch dazu. Mit zehn/elf gab es die erste Band. Da stand meine Mutter noch am Mischpult.

 Hast du musikalische Vorbilder?

Auf jeden Fall. Meine Helden sind Musiker wie Miles Davis, Paul McCartney, Gregory Porter oder Jamie Cullum.

 Was würdest du machen, wenn du irgendwann nicht mehr auf der Bühne stehen kannst?

Ich stand ja auch schon mal auf der anderen Seite, habe Bühnen für Stars wie Sarah Connor oder Sasha aufgebaut und als Tontechniker gearbeitet. Das könnte ich bestimmt wieder machen. Oder ich werde einfach Koch und schreibe weiterhin musikalische Kochbücher. Zwei davon gibt’s ja bereits. Oder ich würde ein kleines Restaurant aufmachen oder ’ne Eisdiele, in der es jeden Tag Spaghetti-Eis gibt.

Das Konzert in der Halle 1, das von den Betreibern der Delmenhorster Divarena veranstaltet wird, beginnt am 27. Mai um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr. Tickets gibt es unter anderem noch im dk-Kundencenter ab 34,75 Euro.