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Konzert in Delmenhorst „Geneses“ scheitert am Spiel mit dem Publikum

Von Niklas Golitschek | 09.02.2019, 19:31 Uhr

Aus sich herauszugehen, Leidenschaft zu zeigen: Das sind sicher Attribute, die zu Menschen auf der Bühne gehören. Doch dass die Genesis-Tribute-Band „Geneses“ derart scheitern würde, das Publikum zum Mitmachen zu motivieren, war nicht zu erwarten.

Beim „Happy Birthday“ für den Tontechniker kam noch die meiste Stimmung auf. Wenigstens dieses eine Mal sang fast das gesamte Publikum mit und folgte damit am Freitagabend der Einladung von „Geneses“-Frontmann Alex van den Berg.

Man kann nicht einmal von schlechter Stimmung sprechen

Nicht falsch verstehen: Die rund 350 Gäste im Kleinen Haus in Delmenhorst genossen das Genesis-Tribute-Konzert sichtlich. Mit Applaus sparte es nicht – selbst zwischen einzelnen Liedern zollten sie der 2014 gegründeten Gruppe ihre Anerkennung. Gitarrist und Bassist Viktor Sirjanow brauchte zu „Dance on a Volcano“ nur seine zweihalsige Gitarre in die Hände zu nehmen wie einst Steve Hackett, um das Publikum zu begeistern. Da hatte er mit seinem Instrument noch keinen Akkord von sich gegeben.

Farbgewaltige Lichtshow

Vereinzelt erhob sich auch mal eine Zuschauerin von den Sitzen, um zu einem der Lieder zu tanzen. Mal klatschte das Publikum im Takt mit oder wippte in den Sitzen hin und her. Der Rahmen der Show stimmte ebenfalls: Laut, basslastig, bei trotzdem klarer Stimme. Hinzu kam eine farbgewaltige Lichtshow.

Frontmann will erfolglos mit Publikum spielen

Doch die ganz große Euphorie schwappte nicht auf Ränge über. Beim Auftaktsong „The Lamb lies down on broadway“ hätte man es noch für Anlaufschwierigkeiten halten können, als kaum jemand reagierte, als van den Berg zum Refrain sein Mikrofon Richtung Publikum richtete. Selbst das einladende „ohoh“ in „No Son of Mine“ fand kaum Resonanz – im Anschluss dafür großen Applaus. Solche Aufforderungen zum Mitsingen unterließ der Sänger dann auch bis kurz vor Schluss.

Zufriedenes Publikum, das nicht vor Leidenschaft sprüht

In diesem Spagat bewegte sich das „Geneses“-Konzert nahezu die gesamte Zeit. Das Publikum glücklich und zufrieden. Von der Stimme her war van den Berg deutlich näher am späteren Genesis-Sänger Phil Collins als an Urgestein Peter Gabriel, wusste aber auch mit den Interpretationen der alten Hits zu überzeugen. Wer den Auftritt von vor zwei Jahren bereits besucht hatte, lobte diesen Abend als noch gelungener. Doch zu mehr als einem gelegentlichen Klatschen – zum Abschied immerhin einheitlich stehend – schienen die Gäste einfach nicht aufgelegt.

Stimmbänder bleiben unstrapaziert

Das Konzert im Sitzen mag für viel Bewegung hinderlich gewesen sein und die große Ektase ist von der Altersklasse 45 plus auch nicht zu erwarten. Textsicher dürfte sie mit ihren Jugendsongs allerdings immer noch sein. Vor „Carpet Crawlers“, dem vorletzten Song, forderte van den Berg noch einmal dazu auf, den Refrain mit anzustimmen. Vergebene Mühe, die Stimmbänder wollten die Gäste an diesem Abend offensichtlich nicht strapazieren. Fairerweise sollte jedoch auch erwähnt werden, dass „Geneses“ trotz stimmiger Show nicht die größte Energie versprühte.

Mal das Smartphone für ein Foto oder kurzes Video zücken, um zu zeigen: Ich war dabei. Das ist eben nicht mehr einzig ein gerne kritisiertes Phänomen unter den Millennials. Doch den Moment zu genießen und selbst zu einer guten Stimmung beizutragen, kommt dabei dann gerne zu kurz. Dem Publikum schien das neben dem Geburtslied zwischendurch zu reichen.