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Konzert in der Divarena Mrs. Greenbird kommen im Dezember nach Delmenhorst

Von Eyke Swarovsky | 02.11.2015, 19:23 Uhr

Ihrem Stil sind sie seit Jahren treu geblieben. Am 12. Dezember kommen Mrs. Greenbird in die Divarena. Auf ihren Casting-Show-Stempel wollen sie verzichten, wie sie im Interview sagen.

 Delmenhorst liegt für viele Musiker nicht unbedingt auf der Tour-Route. Bei euch schon. Was kommt euch in den Kopf, wenn ihr von Delmenhorst hört? 

 Steffen Brückner: Da kommt mir als erstes der Song „Delmenhorst“ von Element of Crime in den Sinn. Den habe ich damals im Radio gehört, als er frisch war, und da habe ich mich sofort verliebt. Delmenhorst ist seitdem musikalisch allgegenwärtig bei mir.

 Sarah Nücken: Wir haben den Song sogar schon einmal gemeinsam auf einem Konzert gespielt. Das ist aber schon viele viele Monde her.

 2012 habt ihr die dritte und bislang letzte Staffel von X-Factor gewonnen. Übrigens mit einer Delmenhorsterin in der Jury. Wie blickt ihr auf diese Zeit zurück? 

 Steffen: Das war eine gute und wichtige Zeit für uns. Das hat unserer Karriere damals einen Schub gegeben. Auf der anderen Seite ist das jetzt auch schon drei Jahre her und seitdem ist sehr viel passiert. Das ist ein schöner, angestrichener Termin in unserem Kalender.

 Ist der Stempel „Casting-Show-Gewinner für eure Laufbahn eher positiv oder negativ gewesen? 

 Sarah: Das kommt darauf an, wer sich gerade mit uns beschäftigt. Ich sehe uns einfach als Musiker und nicht als Gewinner von X-Factor. Wenn wir mit mehreren Bands auf Konzertplakaten stehen und bei uns steht dann dahinter „X-Factor-Gewinner“, dann frage ich mich, warum man diese Erklärung dahinter braucht. Mrs. Greenbird reicht für mich eigentlich. Wer uns kennt, weiß, dass wir diese Show damals gewonnen haben und die, die uns nicht kennen und kennenlernen wollen, kommen auch so vorbei oder googeln nach uns. Ich brauche diesen Zusatz nicht und identifiziere mich auch nicht darüber.

 Steffen: Es ist einfach nicht Teil unserer Künstlerpersönlichkeit, weil wir vorher schon so waren, wie wir sind und das ist auch immer noch so. Wir haben uns durch die Show nicht verändert.

 Eure erste Single „Shooting Stars and Fairy Tales“ landete, wie auch das Album, auf Platz 1. Danach ebbte der Hype etwas ab. Was gefällt euch besser, ständiges Blitzlichtgewitter oder kleinere Clubkonzerte und einfach die Musik machen, die man mag? 

 Sarah: Je mehr Zeit vergeht und je länger wir einfach unsere Musik machen und davon leben können, desto glücklicher und ausgelassener bin ich. So happy wie jetzt war ich vor drei Jahren nicht. Ich brauche das Blitzlichtgewitter nicht. Ich muss auch nicht in jeder Fernseh-Show sitzen. Was mich glücklich macht, ist Konzerte spielen und Musik schreiben.

 Steffen: Wenn wir uns jetzt vorstellen, was die Band Mrs. Greenbird in das Buch „Meine Schulklasse“ bei Berufswunsch geschrieben hätte, dann würde da Musiker stehen und nicht Mediensternchen.

 Ihr macht Folk-Musik, die in Deutschland lange ein Nischendasein gefristet hat, aber jetzt durch Bands wie Mumford and Sons neu aufblüht und sehr populär wird. Was ist für euch das Besondere an Folk-Musik? 

 Steffen: Das Besondere ist, dass der Song, die Menschen und die Geschichten im Vordergrund stehen. Die Musik, die wir machen, ist sehr organische, handgemachte Musik, die im Notfall auch immer mit nur einer Gitarre am Lagerfeuer funktioniert. Das ist auch der Gedanke hinter unserer Duo-Tour, mit der wir nach Delmenhorst kommen. Die Melodien stehen sehr im Vordergrund und das macht diese Art von Musik ein bisschen verletzlicher als eine fette Produktion. Dadurch erreichen wir viele Menschen auf unseren Konzerten und haben mit unserem Publikum oftmals ganz tolle Momente.

 Habt ihr euch mal Gedanken darüber gemacht, ob Folk auch mit deutschen Texten funktionieren könnte? 

 Sarah: Ja, das lässt uns nicht los. Wir hören fast ausschließlich englische oder amerikanische Musik, weil es da so viele wunderschöne Folk-Künstler gibt, die uns berühren. Ich finde, dass deutsche Produktionen fast alle gleich klingen und man sie höchstens durch die Stimmen oder Texte unterscheiden kann. Das Drumherum klingt fast immer eindeutig deutsch. Deshalb ist es für uns total spannend, mal zu versuchen, amerikanisch zu klingen – aber mit deutschen Worten.

 Steffen: Wir sind offen für Experimente. Wir haben das immer mal wieder auf der Liste, uns in dem Bereich auszuprobieren.

 Ihr geht mit eurer neuen Tour „The Squirrel and the Brontosaurus“ zurück zu euren Wurzeln. Keine Band, zwei Stimmen, eine Gitarre und ein bisschen Klavier. Warum jetzt so reduziert? 

 Steffen: Wir haben festgestellt, dass unsere Fans immer wieder danach fragen, ob wir auch mal wieder nur zu zweit zu hören sind, weil uns viele genau so kennengelernt haben. Wir haben ja auch so angefangen in Restaurants und Waschsalons und so weiter. Deshalb wollten wir jetzt gerne mal wieder dieses minimalistische Konzept in Wohnzimmeratmosphäre verfolgen und die Sache ein bisschen gemütlicher, persönlicher und intimer gestalten.

 Wer von euch ist denn das Eichhörnchen und wer der Brontosaurus? 

 Steffen:  (lacht) 

 Sarah: Das wird man dann auf der Tour entdecken. Das können wir ja jetzt noch nicht verraten.

 Beim ESC-Vorentscheid 2015 hat es für euch nicht gereicht. Ist das Thema damit abgehakt oder wollt ihr es irgendwann noch einmal versuchen? 

 Sarah: Das ist definitiv abgehakt (lacht). Das war schon sehr lustig und hat Spaß gemacht. Aber es hat dann auch gereicht. Man kann alles einmal machen und dann ist auch gut. Es muss nicht alles wiederholt werden.

 Steffen: Die Show, die wir erlebt haben und von der wir Teil waren, ist ja an Skurrilität kaum zu überbieten. Und man soll ja bekanntlich aufhören, wenn’s am Schönsten ist.

 Eurem Sound seid ihr seit Jahren treu geblieben. Bei euch weiß man in der Regel, was man bekommt. Sind für die Zukunft Experimente geplant? 

 Sarah: Es gibt immer wieder Dinge, die wir gerne ausprobieren würden. Wir möchten zum Beispiel irgendwann ein Album komplett von A bis Z selber produzieren. Wir machen ja jetzt schon die Vorproduktion zu Hause im Keller und testen gerade verschiedene Sachen aus. Schauen wir mal.

 Steffen: Wir experimentieren gern mit neuen Elementen. Der Kern ist immer die handgemachte, persönliche und intime Musik. Wir genießen es aber, neue Einflüsse als Inspiration in unsere Musik zu integrieren. Gerne auch Dinge, mit denen man auf den ersten Blick nicht rechnet. Es ist wichtig, dass die Sache für uns spannend bleibt. Wir wollen auf keinen Fall auf einer Stelle stehen bleiben, sondern uns weiterentwickeln.

 Karten gibt es unter anderem in der Divarena und im dk-Kundencenter ab 27,70 Euro. dk-Card-Inhaber erhalten zwei Euro Rabatt.