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Konzert in St.-Marien Delmenhorst Chor und Orgel sorgen für wuchtige Umarmung

Von Kai Hasse | 24.09.2017, 20:49 Uhr

Zwei eindrucksvolle – und nicht ganz leichte – Werke haben der St.-Marien-Chor und das Orchester der Regionen am Sonntag in der St.-Marien-Kirche aufgeführt. Es gab einen scharfen Kontrast zwischen Romantik und Barock, ein musikalische „Umklammerung“ und einen insgesamt schönen Auftritt mit viel Emotion.

Die beiden Ensembles hatten sich die „Messe solennelle“ des Franzosen Louis Vierne und das Magnificat von Bach vorgenommen. Zwei Stücke, in denen ein Chor zeigen kann, dass er die beiden populärsten Musikstile der Klassischen Musik – Romantik und Barock – beherrschen. Und sie können es.

Wuchtige Umarmung

Der besondere Punkt an dem Konzert war bei der Messe solennelle eine musikalische „Umklammerung“ des Publikums: Vorn Chor und Chororgel, in ihrem Rücken die große Hauptorgel. „Das ist sehr schön, lassen Sie sich auf diese Musik ein“, sagte Kantor und Dirigent Udo Honnigfort zu Beginn. Die Musiker legten los, und Viernes Musik fängt auch gleich mit Energie an – eher eine wuchtige Umarmung als die spröde „Umklammerung“. Das Werk ist kleinteilig und kurz, und vieles liegt im Detail. Romantisch heißt auch überraschende Wechsel im Temperament, den singenden Stimmen und im Laut und Leise. Der Chor, leider mangels Männer etwas schwach im Tenor, macht das diszipliniert und aufmerksam mit. Schwerstarbeit leistet Honnigfort, der an manchen Stellen nicht nur dirigiert, sondern enthusiastisch anfeuert. Wer es kraftvoll mag, mag Vierne.

Galopp in die Sechzehntel-Läufe

Strukturiert und aparter ist dagegen das barocke Werk, Bachs Magnificat, gespielt mit Solisten und Orchester der Regionen. Auch das Magnificat hat seine reizvollen Wechsel. Da singt beispielsweise Sopranistin Agnes Fabian Steitz, die kurzfristig für eine erkrankte Kollegin einstieg, mit angenehm dezentem Vibrato eine feine Solo-Arie („Ecce enim ex...“), und nahezu übergangslos prescht in der nächsten Sekunde der Chor im gestreckten Galopp in atemberaubende Sechzehntel-Läufe (...omnes generationes“). Wunderschön tragend ist übrigens vor allem die Stimme der Kantorin Friederike Spangenberg, die beim Magnificat die benötigte zweite Sopran-Stimme übernimmt. Sie spielte auch beim Vierne-Stück die Chororgel, im Zusammenspiel mit Organist Manuel Uhling. Honnigfort hatte sie bereits vor dem Konzert als Multitalent angekündigt.

Das Publikum quittierte das gelungene Konzert mit kräftigem Applaus. Den hatten Chor und Orchester sich redlich verdient. Schön war‘s.