Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Konzert in Weser-Ems-Hallen Gregor Meyle tanzt „Zaziki“ in Oldenburg

Von Eyke Swarovsky | 28.05.2016, 13:35 Uhr

Auf seiner „Das Beste kommt noch“-Tour hat Gregor Meyle mit seiner Band am Freitagabend Halt in den Oldenburger Weser-Ems-Hallen gemacht. Die rund 1200 Besucher erlebten ein Konzert mit vielen Höhepunkten.

Vorneweg: Was die rund 1200 Besucher am Freitagabend in den Weser-Ems-Hallen erlebten, war etwas besonderes. Besonders vor allem darum, weil es mittlerweile leider zum Standard geworden ist, Konzerte nicht mehr mit dem Blick auf die Bühne, sondern mit den Augen auf dem Smartphone-Display zu erleben. Das ist beim Konzert von Gregor Meyle und seiner großartigen Band anders. So anders, dass Meyle selbst dem Publikum an diesem Abend dafür dankt. 

„Einen schönen Abend kann man nicht downloaden“ ist der Slogan, mit dem die Delmenhorster Divarena-Betreiber der Beckertainment GmbH werben. Sie veranstalten das Meyle-Konzert in Oldenburg. Und der Slogan ist Programm. Denn der Abend wird lange im Gedächtnis bleiben. 

Gute Mischung aus neuen und alten Songs

Gregor Meyle hat sich für seine Tour eine gute Mischung zusammengestellt aus Songs, die jeder kennt, der sich schon einmal mit dem Musiker auseinandergesetzt hat, und Titeln, die dem Großteil der Besucher noch unbekannt sein dürften. Allein der Satz „Mal sehen, vielleicht gibt es dieses Jahr noch ein neues Album“, sorgt für Jubel im Publikum. Nicht selbstverständlich - singen die Besucher doch in der Regel am liebsten die bekannten Hits mit. 

1200 Leute tanzen „Zaziki“

Von „Hier spricht mein Herz“ über „Soll ich dich befreien“ hin zu „Du bist das Licht“ ist am Freitagabend alles dabei, auf das das Publikum wartet. Dabei sind die Stücke teilweise anders arrangiert als man es von der Platte kennt. Aus „Keine Macht den Pessimisten“ macht Gregor Meyle eine große Zaziki-Party („Zaziki ist ein griechischer Volkstanz, der häufig mit einem Dip für Gemüse verwechselt wird.“) und alle tanzen mit. Auch der Einfluss von irischer Musik wird bei dem Konzert mehr als einmal deutlich. 

Grandiose Band

Meyles Band ist an diesem Abend durchgehend großartig. Die Entscheidung, die „Sing meinen Song“-Band von Vox nahezu komplett für sich zu beanspruchen, war goldrichtig. Jeder Ton sitzt. Spiel- und Improvisationsfreude stehen jedem einzelnen der zehn Musiker ins Gesicht geschrieben, lässt Meyle ihnen doch auch reichlich Raum, um sich mit Soli in den Vordergrund zu spielen - allen voran Schlagzeuger Massimo Buonanno, der dank seiner schweizerisch-italienischen Herkunft mehrfach als Running-Gag herhalten muss. Ist er doch „gleichzeitig sehr langsam und sehr schnell.“ Und natürlich Laura Bellon, die als Meyles weibliche Zweitstimme nicht nur mit ihrem Lächeln, sondern besonders mit ihrer Stimme das Publikum zu verzaubern weiß. Gregor Meyle sagt, Bellon sei für ihn die beste Sängerin in Deutschland. Er könnte recht haben. 

Hervorragender Lindenberg-Parodist

Gregor Meyles Konzerte finden aber nicht nur während der Musik, sondern auch dazwischen statt. Meyle erzählt und scherzt gerne. Die Udo-Lindenberg-Parodie packt er in Oldenburg gefühlt 30 Mal aus. Aber nie so, dass es unsympathisch wirken würde. Bei Gregor Meyle ist alles wohl dosiert: harte und weiche Töne, Humor, Geschichten, Schmalz und Rock ‚n‘ Roll. Immer wieder bindet er seine Zuhörer mit klassischen Singspielchen ein. Das zieht auch das „Sitzpublikum“ auf den Rängen von ihren Stühlen.

Große Hits als Zugabe

Nach gut zwei Stunden stimmt Meyle seinen letzten Titel „Hätt‘ nix dagegen“ (... wenn’s jetzt für immer so bleibt) an. Aber ohne seine zwei bislang größten Hits lässt das Oldenburger Publikum, unter das sich viele Delmenhorster gemischt haben, nicht aus dem Saal. Meyle spielt zunächst „Keine ist wie du“ in einer sehr reduzierten Variation, nur mit Klavier und Geige, bevor er mit „Niemand“ noch einmal alles auspackt, was die Band hergibt und die Weser-Ems-Halle zum beben bringt. 

Intimster Moment zum Abschluss

Zum krönenden Abschluss verzichten Meyle und seine Band auf Strom und beweisen, wie intim ein Konzert mit 1200 Besuchern sein kann. Er und seine Band gehen von der Bühne mitten in den Saal. Das Publikum verstummt zunächst, setzt sich auf den Hallenboden und lässt Meyle, Bellon und Akkordeonist Andreas Gundlach den Song „Kleines Lied“ anstimmen. Irgendwann summen mehr als tausend Menschen mit. Gänsehautstimmung. Kann ein Konzert schöner zuende gehen?