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Kooperation mit Friedensdorf Josef-Hospital Delmenhorst hilft Jungen aus Afghanistan

Von Marco Julius | 17.01.2019, 21:15 Uhr

Dank einer besonderen Aktion hat Saiful eine neue Chance bekommen. Der Junge soll nicht das letzte Kind aus einer Krisenregion bleiben, dem in Delmenhorst geholfen wird.

Vielleicht hätte der kleine Junge seinen linken Unterarm, den er sich bei einem Sturz gebrochen hatte, verloren, vielleicht wäre die chronische Knochenentzündung sogar lebensbedrohlich geworden für den Zehnjährigen. In seiner Heimat Afghanistan jedenfalls hätte Saiful Rahman nicht die Hilfe finden können, die er jetzt im Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) bekommen hat. Nun hat er noch eine Metallplatte im Arm. Aber er ist frei von Bakterien, er gilt als geheilt. Dr. Markus Philipp, Chefarzt der Klinik für Orthopädie/Unfallchirurgie, hat den Jungen zweimal operiert, den Defekt im Unterarm mit einem Stück aus dem Wadenbein überbrückt. „Die Bakterien im Knochen waren schwer zu behandeln“, sagt Philipp. Mit Unterstützung einer Mikrobiologin aus Osnabrück habe man gezielt auf die Bakterien einwirken können.

Zusammenarbeit mit Friedensdorf International

Aber wie kommt der kleine Saiful überhaupt nach Delmenhorst? Der Aufenthalt des jungen Afghanen ist die erste Zusammenarbeit des JHD mit Friedensdorf International, einer Einrichtung, die kranke Kinder aus Krisenregionen, die Ärmsten der Armen, nach Deutschland holt, damit ihnen hier geholfen werden kann. „Anschließend kehren die Kinder in ihre Heimatländer zurück“, sagt Janna Leptien von Friedensdorf. Afghanistan, Armenien, Usbekistan, Angola – die Liste der Herkunftsländer ist lang. Friedensdorf kümmert sich vor allem um die Logistik und Vor- und Nachbetreuung. Bis zu 1000 Kinder kommen im Jahr für eine Behandlung nach Deutschland. 200 Krankenhäuser helfen. Das besondere daran: Für die Kosten der Behandlung in der Klinik kommen die Krankenhäuser auf. So wie jetzt das JHD.

Hilfe fortsetzen

Den Anstoß dazu hatte Aline Becker, Assistentin der JHD-Geschäftsführung, gegeben. „Ich kenne und schätze die Arbeit der Kinderhilfsorganisation Friedensdorf schon seit Langem“, sagt sie. Ihre Idee ist im Krankenhaus umgehend auf offene Ohren gestoßen. In der Geschäftsführung, in der Ärzteschaft, bei den Pflegenden. Ein bis zwei Kinder sollen pro Jahr im JHD behandelt werden, damit sie in ihrer Heimat wieder eine Zukunft haben.

So wie der kleine Saiful. „Ein helles Köpfchen“, sagt Dr. Matthias Viemann, Chefarzt der Kinderklinik. „Saiful hat schnell Deutsch gelernt. Am Ende konnte man sich mit ihm gut unterhalten. Ein aufgeweckter Junge, der sich bei uns sehr wohl gefühlt hat.“ Dabei, das ist bei der Arbeit von Friedensdorf so üblich, war Saiful, wie alle Kinder, ohne Begleitung aus seiner Heimat in die Fremde gereist. Ohne Familie.

Zurück zur Familie

Im Februar geht es mit der Friedensdorf-Chartermaschine zurück nach Afghanistan. Dr. Philipp sagt: „Er wäre wohl gern geblieben. Der Abschied ist nicht ganz einfach – für alle Seiten.“ Dr. Philipp hatte kurz überlegt, den Jungen Weihnachten zu sich zu holen. Aber zu eng dürfe die Bindung auch nicht werden, sagt Leptien. Die Kinder, das garantiert Friedensdorf, gehen zurück in die Heimat und müssen dort wieder Anschluss finden. Die Kinder sollen nicht zum Flüchtling werden, sondern gesund dabei helfen, die Gesellschaft in ihren Herkunftsländern mit aufzubauen.

Metallplatte muss entfernt werden

Saiful kommt noch einmal zurück nach Delmenhorst. Wenn der Heilungsprozess so voranschreitet wie erhofft, kann im August die Metallplatte entfernt werden. Für Dr. Philipp ist es selbstverständlich, „dass wir, die in einem so reichen Land leben, helfen müssen“. „Die Dritte Welt leidet schon genug unter unserem Lebensstil, das muss man auch mal sagen. Wenn wir diese Hilfe nicht bieten wollten, müsste ich meinen Beruf als Arzt infragestellen.“

Insgesamt wird Saiful, wie alle Kinder, die Friedensdorf zur Behandlung nach Deutschland holt, rund ein halbes Jahr in Deutschland verbringen. Jetzt ist er mit anderen Kindern in Oberhausen, dem eigentlichen Friedensdorf, und erholt sich von den Operationen.

Mit jedem Tag mehr Energie

Saiful soll nicht das letzte Kind bleiben, dem im JHD gemeinsam mit Friedensdorf geholfen wird. „Wir schauen uns die Fälle genau an. Ich will als Arzt nicht experimentieren. Wir müssen gewährleisten können, dass wir dem jeweiligen Kind helfen können“. sagt Dr. Philipp. Hilfe, die Saiful dankbar angenommen hat. Mit jedem Tag hat er mehr Energie bekommen. „Auf der Station wollte er immer mithelfen“, sagt Dr. Viemann. Den Arm, den kann Saiful mittlerweile wieder ganz gut bewegen.