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Kooperation mit StadtWerkegruppe Delmenhorster Feuerwehr stärkt ihren Nachwuchs

Von Frederik Grabbe | 22.01.2016, 07:11 Uhr

Die Berufsfeuerwehr will ihre Nachwuchsausbildung stärken. Dabei kooperiert sie mit der StadtWerkegruppe. Die Stadt greift dem Projekt unter die Arme.

Delmenhorst. „Erst, wenn Ihr die Urkunde in der Hand haltet, bin ich Euer Chef“, witzelte Brandoberamtsrat Thomas Simon, bevor Oberbürgermeister Axel Jahnz den beiden Brandmeisteranwärtern ihre Ernennungsurkunde überreichte. Christoph Lück (23) und Lukas Großkopf (19) beginnen heute ihre Ausbildung zum Brandmeister bei der Delmenhorster Berufsfeuerwehr. Die zwei jungen Männer kamen über eine Ausbildung bei der StadtWerkegruppe zur Feuerwehr. Mit dieser Zusammenarbeit will die Berufsfeuerwehr die Ausbildung von Nachwuchskräften besser aufstellen.

Erst eine Ausbildung, bevor die eigentliche Ausbildung begonnen werden kann

Bis 2014 herrschte personell bei der Feuerwehr heute mit 62 Kräften bestückt, ein regelrechter Abwärtstrend . 2013 zum Beispiel wanderten fünf Berufsfeuerwehrleute nach Bremen ab. Mit einem ganzen Maßnahmenpaket steuerte die Stadt dagegen, justierte etwa bei der Bezahlung nach. Ein Teil des Pakets bestand auch in der Ausbildung des Nachwuchses: Der mit den Stadtwerken geschlossene Vertrag sieht im Wesentlichen vor, dass sie junge Menschen in Berufsbildern, die einer Ausbildung zum Brandmeister vorausgehen, ausbildet. So sind Lück und Großkopf zur Fachkraft für Wasserversorgung beziehungsweise Abwasserentsorgung ausgebildet worden. „Sämtliche Ausbildungskosten trug dabei die Stadt, Lück und Großkopf waren auch bei der Stadt angestellt“, so der Prokurist der StadtWerkegruppe, Dieter Meyer. Die Auswahl der Azubis wurde aber durch Feuerwehr und Stadtwerke getroffen. Der Bestimmungsort Feuerwehr war dabei von Anfang an klar. „Leihmuttersystem“ nennt Meyer diese Ausbildungsweise

Schüler lassen sich schneller erreichen

Die Vorteile liegen für Feuerwehrchef Thomas Simon auf der Hand: Die Brandmeisteranwärter kämen mit einer Berufsausbildung, diese werde vor Ort ausgeführt, so entstehe eine Bindung zur Stadt. Und durch sie ließen sich seitens der Feuerwehr viel früher Schüler ansprechen. Lück und Großkopf sind Nummer drei und vier, die dieses System durchlaufen haben, drei weitere Personen befinden sich seit April in einer solchen Ausbildung, zwei andere absolvieren die Ausbildung zum Brandmeister, ohne eine Lehre zuvor bei den Stadtwerken beendet zu haben.

Um das Berufsbild übrigens attraktiver zu machen, zahlt die Stadt den Brandmeisteranwärtern im Beamtenverhältnis einen Sonderzuschlag: 50 Prozent des Bruttogehalts legt sie obendrauf, Brandmeisteranwärter erhalten so laut Feuerwehrsprecher Daniel Engels rund 1500 Euro brutto.

Gefahr der Abwanderung gebannt?

„Weggänge sind mit den Ausbildungsgängen nur schwer zu kompensieren, weil sie eben so lange dauern“, sagt Thomas Simon. Mitunter liege hinter einer Feuerwehrkraft eine Ausbildungszeit von sechs Jahren, wenn sie später entsprechende Fortbildungen belege. „Aber dass zehn Prozent der Belegschaft die Stelle wechseln, wie es ja 2013 war, diese Gefahr sehe ich nicht mehr.“

„Fachkräfte“ für die Stadt

Oberbürgermeister Jahnz betonte die Berufssicherheit der Beamtenlaufbahn: „Mit Anfang 20 haben sich die beiden schon eine lange – und vor allem eine sichere Berufslaufbahn – gesichert“, sagte er. Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung der Feuerwehrleute, der „Fachkräfte“, für die Stadt.

Lück und Großkopf hingegen, beide in den Freiwilligen Feuerwehren ihrer Wohnorte in Bookholzberg und Delmenhorst aktiv, freuen sich einfach, ihren Berufswunsch erfüllen zu können. „Für uns geht ein Kindheitstraum in Erfüllung“, sprach Lück für sich und Großkopf. Doch für sie fängt der eigentliche Weg jetzt erst an. Simon: „Jetzt kommt das, was Ihr die nächsten 40 Jahre brauchen werdet.“