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Krach und Vibrationen Lärm nervt Bahn-Anwohner in Delmenhorst

Von Heike Bentrup | 27.07.2015, 17:32 Uhr

Dieter Holsten vom neu gegründeten Bündnis Bahninitiativen prognostiziert eine rasante Zunahme des Schienenverkehrs. Er fordert einen besseren Lärmschutz für Bahn-Anwohner.

Es rattert und vibriert an der Fichtenstraße, wenn die Züge vorbeirauschen. „Seitdem die Bahn die Lärmschutzwände aufgestellt hat, ist es noch schlimmer geworden “, sagen Ralf und Veronika Böhm, die von ihrem Haus nach wie vor freien Blick auf die Gleise haben.

Kaum etwas erreicht

Besonders im Bereich der alten Brücke sei der Lärm mitunter unerträglich. „Hier hallt es besonders“, berichtet Veronika Böhm. Wie ihr und ihrem Mann geht es vielen Anwohnern, die sich zum Teil bereits seit Jahren für einen besseren Lärmschutz an der Strecke engagieren. Erreicht haben sie eigenen Angaben zufolge jedoch kaum etwas.

„Alle Möglichkeiten ausschöpfen“

Doch anstatt frustriert aufzugeben, rät der Huder Dieter Holsten vom neu gegründeten Bündnis der Bahn-Bürgerinitiativen in der Nordwest-Region auch in diesem Fall, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. „Die Bahn hat eine Lobby, die Bürger nicht“, sagte Holsten am Montag anlässlich eines Ortstermins an der Fichtenstraße. Auch wenn die sogenannte Lärmsanierung durch die Bahn vor Ort mittlerweile abgeschlossen sei, „muss sich jeder kümmern und den Druck auf die Politik erhöhen, damit Gelder für mehr Lärmschutz bereitgestellt werden“.

Starke Zunahme des Schienenverkehrs prognostiziert

Dies sei gerade vor dem Hintergrund der noch zu erwartenden Zunahme des Schienenverkehrsaufkommens wichtig. „Wenn der Jade-Weser-Port erst einmal wie geplant läuft, wird der Güterverkehr auf der Strecke spürbar zunehmen“, prognostizierte Holsten. Hinzu komme die von niederländischer Seite geplante „Wunderline“ zwischen Groningen und Bremen.

„Hintergrund sind vermutlich die Erweiterungspläne für den Rotterdamer Hafen und die Erschließung der skandinavischen Märkte“, mutmaßt Holsten. Trete der Fall ein, kämen täglich noch mehrere Hundert Züge hinzu.

Verhältnismäßig wenige Beschwerden

Wie der zuständige städtische Fachdienstleiter Jürgen Müller-Schönborn beim Ortstermin mitteilte, sei der Stadt das Problem der Lärmbelastung bekannt. Gleichwohl gebe es verhältnismäßig wenig Beschwerden. Eine von den Bürgern geforderte Langzeitmessung koste viel Geld, was wiederum von der Politik bereitgestellt werden müsse.

Angesichts der leeren Kassen zurzeit wohl kaum realisierbar. Und so wird es an der Fichtenstraße auch künftig rattern und vibrieren, wenn die Züge vorbeirauschen.