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Kraftfahrzeugtechnik Haase Delmenhorster Firma gibt jungem Syrer eine Chance

Von Marco Julius | 21.07.2016, 12:44 Uhr

Der Syrer Shadi Sattah will seine Chance nutzen. Sein neuer Chef Achim Schmidt ist davon überzeugt, dass beide Seiten von der Zusammenarbeit profitieren werden.

Win-Win-Situation, sagt man in solchen Fällen gern. Ein Glücksfall für beide Seiten: Mit seiner Unterschrift unter die Einstiegsqualifizierung bei der Firma Kraftfahrzeugtechnik Haase in Delmenhorst hat Shadi Sattah sich seinen Weg in eine gute Zukunft am deutschen Arbeitsmarkt gesichert. Inhaber Achim Schmidt gewinnt auch: Einen zukünftigen Lehrling, der zwar noch weiter Deutsch büffeln muss, aber bereits gute Vorkenntnisse mitbringt. Am 1. August beginnt Sattah die Einstiegsqualifizierung, die seiner Berufsausbildung zum KfZ-Mechatroniker Nutzfahrzeugtechnik vorgeschaltet wird.

Beim Praktikum überzeugt

Bei einem Praktikum überzeugte Shadi Sattah seinen künftigen Chef. Drei Wochen half er in der Werkstatt mit. „Ich merkte schnell: Das passt, er denkt mit und arbeitet sauber“, sagt Achim Schmidt. Die Arbeitserfahrung war Teil eines Lehrgangs der Arbeitsagentur, an dem der junge Mann von Januar bis März in Delmenhorst teilnahm. Der Inhalt: Sprache plus erste Kontakte zum Berufsleben, vermittelt durch den Bildungsträger BNW.

Der 23-jährige besuchte in Syrien nach dem Abitur zwei Jahre lang die Fachschule für KfZ-Technik in Homs. Anschließend arbeitete er sechs Monate in seinem Beruf. „Fachlich hat Shadi schon vieles drauf, er muss aber auch noch viel dazu lernen“, sagt Achim Schmidt. Elektronik am Auto ist aber noch weitgehend Neuland für den jungen Mann, das sei an seiner Schule kaum unterrichtet worden, berichtet Shadi Sattah. Und die Arbeit an Nutzfahrzeugen – vor allem Lastkraftwagen und Wohnmobile – ist ihm noch völlig fremd. Die Lust am Lernen und am Schrauben sei dem künftigen Lehrling anzumerken, sagt Schmidt.

Berufsschule besuchen

Während der Einstiegsqualifizierung – sie ist dem ersten Lehrjahr vorgeschaltet – besucht Shadi Sattah bereits die Berufsschule. „Mit den Berichtsheften fangen wir auch gleich an, damit er sich daran gewöhnt“ sagt Schmidt. Sein neuer Lehrling ist im Juli 2015 in Deutschland angekommen, seine Sprachkenntnisse muss er noch weiter ausbauen. Dabei werden ihm die Kollegen helfen. „Bei uns sind alle daran gewöhnt, dass sie mit mir laut und langsam sprechen müssen, denn ich habe Probleme mit dem Gehör“, erläutert Schmidt. „So kann auch Shadi sie besser verstehen.“

Vorfreude auf Delmenhorst

Shadi Sattah freut sich auch darauf, für seine Ausbildung von Nordenham nach Delmenhorst umzuziehen, denn hier hat er bereits Kontakte geknüpft: „In dieser Stadt habe ich schon zwei oder drei Freunde gefunden.“ Seine Eltern und seine Schwester leben weiter in Syrien, der Bruder ist vor dem Militärdienst in den Libanon geflohen.

Schmidt seit drei Jahren Inhaber

Achim Schmidt ist seit drei Jahren Inhaber des Unternehmens mit derzeit drei Angestellten und einem Auszubildenden. Hier hatte er von 1978 bis 1981 seinen Beruf gelernt. Zwischendurch arbeitete er bei Daimler in Bremen, bis ihn sein ehemaliger Chef 2010 wieder in den Betrieb holte und 2013 zu seinem Nachfolger machte.