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Kramermarkt mit Neuerungen Delmenhorster Schausteller-Chef lebt seinen Beruf

Von Thomas Breuer | 01.09.2017, 09:36 Uhr

Kutschenbauer und Kramermarkt, das geht schon lange zusammen.

Marcel Kutschenbauer etwa betreibt als Ausschankbetrieb den Western-Saloon auf dem Volksfest, den er von seinem Opa übernommen hat. Und mit seinem Onkel Andreas Kutschenbauer ist er treibende Kraft auf dem zuletzt immer weiter aufgewerteten Delmenhorster Weihnachtsmarkt.

Seit dem Frühjahr Vorsitzender der Schausteller

Seit dem Frühjahr steht der 33-Jährige auch im Kreise seiner Kollegen in besonderer Verantwortung – als Vorsitzender des Schaustellervereins Delmenhorst. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Danny Müller, Schatzmeister Symon Veldkamp und Schriftführer Lars Kellner stellt er sich der Aufgabe, den Kramermarkt behutsam weiterzuentwickeln – und damit attraktiv zu halten.

Kein ganz einfaches Unterfangen in einer Stadt, die auch nach dem, was Kutschenbauer gespiegelt wird, als schwierig gilt. Doch er legt sich fest: „Der Kramermarkt ist eine Veranstaltung, die funktioniert.“ Auch weil Politik, Verwaltung und Bevölkerung nach seiner Wahrnehmung voll dahinter stehen: „Das Umfeld, das uns hier geschaffen wird, ist sehr gut.“

Einige Neuerungen auf dem Kramermarkt verankert

Die Marktleute ihrerseits haben zuletzt mit einzelnen Neuerungen bewiesen, dass sie sich nicht auf das pünktliche Öffnen ihrer Buden beschränken. Kutschenbauer verweist exemplarisch auf bunte Wimpelketten über dem Platz und neu geschaffene Sitzmöglichkeiten, die hier und da ein Verweilen ohne Konsumzwang ermöglichen.

Und auch um das Rahmenprogramm der nächsten fünf tollen Tage vom 9. bis 13. September auf den Graftwiesen haben sie sich Gedanken gemacht. Wie im Herbst vorigen Jahres wird die Markteröffnung zwar ohne Umzug, dafür aber in Begleitung einer Dixieland-Band, die auch über den Platz laufen soll, vonstattengehen. Und für den Abend ist ein Familienfeuerwerk geplant, wie es schon öfter beim Herbstmarkt eine Vielzahl von Schaulustigen angelockt hat.

Zwei Heißluftballone auf der Hotelwiese

Ein völlig neues Element wird der Montagabend mit einem „Ballonglühen“ bringen. Auf der Hotelwiese werden dann zwei Heißluftballone platziert, denen ab 20 Uhr eingeheizt wird, ohne dass sie entschweben sollen. Das daraus resultierende besondere Licht soll einen zusätzlichen stimmungsvollen Akzent setzen – und nicht nur das. Bereits am Eröffnungstag werden die Schausteller Lose unter die Leute bringen. Wer damit am Montagabend auf der Hotelwiese erscheint, kann einen Abschnitt davon in eine Lostrommel geben und an Ort und Stelle eine Ballonfahrt für zwei Personen gewinnen.

Vergleichbares hat es in der Jugend von Marcel Kutschenbauer noch nicht gegeben. Damals musste das Volksfest ja auch noch nicht mit virtuellen Angeboten aus dem Internet konkurrieren und sich stetig neu erfinden.

Das typische Aufwachsen in einer Schaustellerfamilie

Marcel Kutschbauer denkt gerne an damals zurück. An die Zeit, als er dank einer Sondergenehmigung bereits mit 17 seinen Lastwagenführerschein machen durfte, um das Kinderkarussell seiner Eltern von einem an den anderen Ort fahren zu können.

Es war das typische Aufwachsen in einer Schaustellerfamilie jener Zeit. Lediglich von Januar bis Mai besuchte Marcel Kutschenbauer die Schule in Delmenhorst, danach war er je nach Festplatz vorübergehender Gast in vielen auswärtigen Schulen.

Die Erinnerungen an diesen Teil der Kindheit sind nicht seine besten. Darum strebt der zweifache Familienvater für seinen Sohn und seine Tochter an, dass sie dauerhaft in Delmenhorst zur Schule gehen können. War er früher in der gesamten Republik unterwegs, ist ihm heute daran gelegen, vor allem Plätze in Norddeutschland, mit einer gewissen Nähe zur Heimat, zu bespielen.

Eheanbahnung auf einem Fest speziell für junge Schausteller

Nur gut, dass er seine Fühler früher noch weiter ausgestreckt hat. So kam er vor elf Jahren auch in Kontakt mit seiner aus Mönchengladbach stammenden Frau Nicole (29) in Kontakt: bei einem Kennlernfest in Neuss speziell für junge Schausteller. Erst vor zwei Monaten haben beide geheiratet. Standesgemäß in Las Vegas, wie sich das für Schausteller gehört. Freilich warten nicht wenige Kollegen aus der Branche auf die dazugehörige große Sause vor Ort.

„Chalet de Chocolat“ nicht beim Herbstmarkt dabei

Kutschenbauer und Kramermarkt, das soll noch lange zusammengehen. Allerdings nicht in allen Bereichen um jeden Preis. Die von seiner Frau seit dem Frühjahr 2016 betriebene reisende Schokoladen-Manufaktur „Chalet de Chocolat“ wird nach drei Teilnahmen in Delmenhorst beim kommenden Herbstmarkt nicht mehr auf den Graftwiesen zu finden sein. Das Ehepaar wird sie lieber andernorts aufbauen, denn hier hat der Umsatz laut Marcel Kutschenbauer dreimal nicht gestimmt. Für ihn steht außer Frage: „Man muss sich klar werden, was möglich ist, und damit klarkommen.“