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Frage nach Finanzierung bleibt Krankenhausneubau für Delmenhorst löst positives Echo aus

Von Frederik Grabbe | 26.02.2019, 16:25 Uhr

„Positives Zeichen“, „die wirtschaftlichste Lösung“, „höhere Attraktivität“: Die Reaktionen auf den nun feststehenden Klinikneubau fallen positiv aus. Nun warten die Akteure auf belastbare Zahlen.

Applaus und wohlwollende Worte für das Krankenhaus-Neubauvorhaben in Deichhorst: So reagieren Vertreter der Politik und der Ärzteschaft auf die neuen Entwicklungen am Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) auf Nachfrage. Wie berichtet, soll auf der Parkplatzfläche zur Wildeshauser Straße ein kompletter Klinikneubau errichtet werden, die Lösung eines Teilneubaus ist damit vom Tisch. Erste Entwürfe taxierten die Kosten eines Neubaus auf 110 Millionen Euro. Das Land Niedersachsen arbeitet daran, die Fördermittel für Delmenhorst auszuweiten. Bei aller Euphorie fällt die Freude teilweise verhalten aus.

Bettina Oestermann (SPD): Gutes Zeugnis für die Geschäftsführung nach "harter Zäsur"

Als "sehr positives Zeichen" nimmt Bettina Oestermann, SPD-Fraktionschefin und Mitglied im JHD-Aufsichtsrat, die Nachrichten zum Krankenhaus. "Mit dem Neubau müssen wir und nicht hinter Häusern wie in Oldenburg oder Bremen verstecken." Vorteil eines Neubaus sei es weiter, den laufenden Betrieb des Krankenhauses während der Bauarbeiten leichter aufrechtzuerhalten. "Das wäre als Teilneubau mit einer baulichen Anbindung an den Bestand nicht so einfach gewesen." Oestermann sieht nach der Insolvenz vor einem Jahr die Wende beim JHD so gut wie vollzogen. "Wir haben die Chance, die Gesundheitsversorgung in der Stadt mit neuem Krankenhaus, neuer Gesellschaft und neuer Organisation neu aufzubauen." Nach einer "richtig harten Zäsur" durch die Insolvenz stellt sie vor allem der Geschäftsführung ein gutes Zeugnis für die vergangenen Monate aus.

Kristof Ogonovski (CDU): Die wirtschaftlichste Lösung

Einen Neubau nennt auch Kristof Ogonovski als Fraktionsvorsitzender der CDU "die am Ende wirtschaftlichste Lösung". "Ein neues Haus hat einfach die besseren Wegebeziehungen im Klinikalltag." Den Weg von der Insolvenz bis hin zu der Perspektive, ein komplett neues Krankenhaus zu errichten, und das innerhalb eines Jahres, ist für Ogonovski eine "höchst erfreuliche Entwicklung". Er sagt aber auch, dass eine Reihe von nicht durch die Politik beeinflussbaren Umständen – wie die Insolvenz der St.-Josef-Stiftung und in der Folge den Wechsel der Bauplanungen von Mitte nach Deichhorst – zu einem letztlich guten Ende geführt hätten. Soll Ogonovski in die Glaskugel gucken, hält er einen Baustart 2020 für "ambitioniert, aber realistisch".

Dr. Christoph Titz (KVN): Krankenhaus wird attraktiver

Für Dr. Christoph Titz Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und JHD-Aufsichtsratsmitglied, wird ein Neubau nicht nur für den Klinikalltag Vorteile bringen, sondern auch die Attraktivität des Hauses steigern. Und das in doppelter Hinsicht: Für neue Mitarbeiter, die sich für eine Anstellung am JHD interessieren, oder für niedergelassene Ärzte, die ihre Patienten zur Weiterbehandlung an die Krankenhäuser zuweisen wollen.

Dr. Carsten Taut (Curanexx): Brauchen ein leistungsfähiges Krankenhaus

Dass in dieser Beziehung Mediziner an einem "leistungsfähigen Krankenhaus" interessiert sind, macht Dr. Carsten Taut vom Ganderkeseer und Delmenhorster Ärztenetzwerk Curanexx deutlich. "Der Standort ist uns sehr willkommen. Wichtig ist aber, dass das System der Notfallzuweisungen funktioniert. Daran kann eine neue räumliche Struktur nicht viel ändern", so Taut. Die Erstversorgung nach einem Herzinfarkt zum Beispiel werde immer noch in Bremen oder Oldenburg vorgenommen.

Nahezu alle Befragten weisen darauf hin, dass die wichtigsten Faktoren zum Neubau noch unbekannt sind: "Wie hoch sind die Baukosten? Wie hoch fällt die Förderung am Ende aus? Und wie hoch wird der Eigenanteil der Stadt sein?", fragt Ogonovski beispielsweise. Bei aller Euphorie gelte es, diese Zahlen abzuwarten, sagt Oestermann. Sie rechnet nun damit, dass diese Angaben in Kürze vorgelegt werden. Dass die Chancen zur Erweiterung der Fördermittel gut stehen, davon ist Titz überzeugt. Angesichts der jährlichen Baukostensteigerungen, auf die das Gesundheitsministerium hingewiesen hatte, fordert Tietz eine "akribische Ausarbeitung der Bauplanungen".