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Krankenkassestudie Delmenhorster greifen häufiger zum Hirndoping

Von Jan Eric Fiedler | 21.10.2015, 17:52 Uhr

Die Delmenhorster waren 2014 seltener krank, aber sie greifen häufiger zu leistungssteigenden Mitteln. Dies hat eine Studie der Krankenkasse DAK ergeben.

Die Menschen in Delmenhorst und im Landkreis Oldenburg waren 2014 weniger krank. Das hat eine Studie der Krankenkasse DAK unter ihren Versicherten ergeben. Der Krankenstand sank von vier auf 3,8 Prozent und liegt somit jetzt unter dem Landesdurchschnitt von 3,9 Prozent. Erfasst wurden die 42000 Versicherten der DAK im Bereich Oldenburger Land, 14000 davon sind aus Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg.

Ein Viertel der Krankheitstage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen

Die meisten Krankheitstage (25 Prozent) entfallen auf Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen. Auf Platz zwei folgen mit 16 Prozent psychische Erkrankungen, gefolgt von Verletzungen (14,1 Prozent) und Atemwegserkrankungen (11,9 Prozent).

Immer mehr Erwerbstätige schlucken leistungssteigernde Mittel

Als Alarmsignal wertet die DAK allerdings, dass immer mehr Arbeitnehmer versuchen, durch „Hirndoping“ ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. „Es geht nicht nur um Manager, sondern auch um Angestellte in vermeintlich einfachen Berufen“, sagte der Delmenhorster Servicestellenleiter Detlev Hesse am Mittwoch in einem Pressegespräch. 6,7 Prozent der Versicherten haben laut der Studie bereits einmal leistungssteigernde Mittel am Arbeitsplatz eingesetzt. In Niedersachsen seien dies rund 273600 Erwerbstätige. Rund 75000 hätten 2014 regelmäßig Hirndoping betrieben.

Medikamente gegen Demenz und Depressionen werden missbraucht

Unter Hindoping wird der Missbrauch von Medikamenten verstanden, die eigentlich nur zur Therapie bestimmter Krankheiten eingesetzt werden. Das können beispielsweise Medikamente gegen ADHS und Demenz sein, die zur Verbesserung der Gedächtnisleistung genommen werden, oder Antidepressiva und Betablocker zur Stimmungsaufhellung und Abbau von Stress.

„Arbeitgeber muss Rahmenbedingungen schaffen“

Jedes zweite missbräuchlich eingenommene Medikament wird von Ärzten verschrieben. Andere Quellen sind das Internet oder Familie und Bekannte, Hesse warnte zur Aufmerksamkeit gegenüber des in der Öffentlichkeit wenig beachteten Phänomens: „Das soziale Umfeld, insbesondere der Arbeitgeber, muss sehen, wann ein Arbeitnehmer überfordert ist, und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.“

Amtsarzt warnt vor Nebenwirkungen

Der Delmenhorster Amtsarzt Dr. Helge Schumann sieht in dem Trend zum Hirndoping ein gesellschaftliches Problem: „Die Frage ist, was nehme ich ein, um fit zu sein?“ Auch die Aspirin am Morgen, um den Tag zu überstehen sei schon ein Mittel zur Leistungssteigerung. „Es ist nicht unbedingt ein Kavaliersdelikt“, betonte Schumann. Einzelne wüssten nicht, wie sie auf die nicht verschriebenen Mittel reagieren, vor allem, wenn sie diese regelmäßig einnehmen. Dies könne beispielsweise beim Führen von Fahrzeugen oder dem Bedienen von Maschinen gefährlich werden. Man müsse sensibilisieren: „Es gibt keinen Wirkstoff mit Wirkung, der keine Nebenwirkungen hat“, warnte Schumann.