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Krise am Delmenhorster Krankenhaus Ex-JHD-Geschäftsführer hat sich „nichts vorzuwerfen“

Von Thomas Breuer | 21.09.2017, 09:33 Uhr

„Ich kann mit gutem Gewissen sagen, ich habe mir nichts vorzuwerfen“. Mit diesen Worten zitiert die „Eisenacher Presse“ den im August ausgeschiedenen Geschäftsführer des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD), Thomas Breidenbach.

Der jetzige Geschäftsführer des St. Georg-Klinikums in Eisenach hat demnach keine Erklärung für die unausgesprochenen Vorwürfe, die angesichts der drohenden Insolvenz des JHD im Raum stehen. Dass sein ehemaliger Delmenhorster Arbeitgeber noch nicht einmal den Kontakt mit ihm gesucht habe, enttäuscht Breidenbach. Er sagt: „Ich würde gern zur Aufklärung beitragen“.

Verweis auf „Zukunftssicherungsverträge“

Nicht einmal vier Wochen ist es her, dass der 49-Jährige am Standort Wildeshauser Straße im Blauen Salon in einer Feierstunde von seinem Posten als Geschäftsführer verabschiedet wurde.

„Dass das Klinikum auf einem schwierigen finanziellen Weg ist, war doch allen klar“, sagt Breidenbach. Deshalb habe man mit den 1000 Mitarbeitern, die sich auf 690 Vollzeitstellen verteilen, sogenannte „Zukunftssicherungsverträge“ abgeschlossen, um den durch die Fusion vor einem Jahr entstandenen Personalüberhang möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen über einen gewissen Zeitraum hinzubekommen.

Das Schutzschirmverfahren, das die neue Geschäftsführung anstrebt, bedeutet, dass das Krankenhaus drei Monate Zeit hat, um ein Sanierungskonzept auf die Beine zu stellen, entweder selbst oder mit einem selbst gewählten Sachwalter. Die Gehälter der Beschäftigten sollen im Falle von Liquiditätsproblemen während dieser Zeit durch die Arbeitsagentur abgesichert sein.

Breidenbach sagt: „Das Konzept war klar“

Wieso nun plötzlich andere, offensichtlich deutlich niedrigere Patientenzahlen für die nächsten Monate prognostiziert würden, kann Breidenbach nicht nachvollziehen. Dass es in Sachen Liquidität bis Jahresende nicht einfach werden würde, sei im Haus klar kommuniziert worden. In einem Schreiben an seinen Nachfolger habe er, so Breidenbach, die bereits mit dem Aufsichtsrat abgestimmten Schritte aufgelistet, die aus seiner Sicht gegangen werden müssten, um dies zu lösen. „Das Konzept war klar“. All dies hat Breidenbach auch den Eisenacher Verantwortlichen so erläutert.

„Das Schiff war nicht im Begriff zu sinken“

Dass ihm nun von ehemaligen Kollegen in Delmenhorst vorgeworfen wird, er habe das sinkende Schiff verlassen, schmerzt Breidenbach: „Das Schiff war nicht im Begriff zu sinken.“ Sein Entschluss, nach Eisenach zu wechseln, habe einzig den Grund, dass er und seine Frau eine neue Herausforderung gesucht hätten und Eisenach genau gepasst hat. Dies hatte zu einem früheren Zeitpunkt auch unserer Redaktion so geschildert.

Breidenbach sieht neuen Schaden für Ruf des JHD

Seinen Ruf sieht Breidenbach durch die jetzigen Meldungen auch in Eisenach beschädigt. „Das allein ist schon fürchterlich“, findet er. Aber auch dass das eh schon mit seinem Ruf kämpfende Josef-Hospital nun so erneut den Weg in die Öffentlichkeit findet, ist für ihn nicht nachvollziehbar. „Damit erreicht man vermutlich genau das, was man verhindern will, nämlich sinkende Patientenzahlen“, sagt Breidenbach. „Es hat einen besseren Weg gegeben“.

Für Freitag, 22. September, ist im JHD eine zweite Mitarbeiterinformationsveranstaltung zur neuen Lage angesetzt. Die Geschäftsführung wird dann informieren.

Betriebsrat und Mitarbeitervertretung des JHD haben am Mittwoch erklärt, das angestrebte Schutzschirmverfahren konstruktiv und kritisch begleiten zu wollen.