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Kriselndes Delmenhorster Krankenhaus JHD-Sanierung über Schutzschirmverfahren eingeleitet

Von Thomas Breuer | 22.09.2017, 20:54 Uhr

Das von der neuen Geschäftsführung des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) angestrebte Schutzschirmverfahren für das von einem Millionendefizit bedrohte Krankenhaus ist eingeleitet. „Damit ist der Weg frei für eine umfassende Sanierung“, teilte ein Sprecher von Geschäftsführer Ralf Delker am Freitag im Anschluss an eine rund zweistündige Informationsveranstaltung für die Beschäftigten in der überfüllten Divarena mit.

Kritik am Auftreten des Geschäftsführers

Rund die Hälfte der 1000 Mitarbeiter war dort vertreten, einige in ihrer Arbeitskleidung. Ihnen sagte Delker: „Wir werden jetzt ein belastbares Sanierungskonzept erarbeiten, das unser Haus zukunftsfähig macht.“ Mit dem Verfahren verschaffe man sich Luft und Zeit. Während Delker zum gemeinsamen Handeln aller Beteiligten aufrief, sparte Betriebsratsvorsitzender Gert Prahm nicht mit Kritik an dessen Auftreten in den vergangenen Tagen: „Wir sind im Vorfeld nicht an ihn herangekommen.“

Beschäftigte sollen zwei Unterschriften leisten

Zum einen sei auf einen umfangreichen Fragenkatalog nicht eingegangen worden. Zum anderen seien dem Betriebsrat trotz mehrmaliger Nachfrage, zuletzt am Freitagmittag, zwei Papiere, die im Anschluss an die Versammlung im Blauen Salon des Krankenhauses auslagen und die die Beschäftigten bis zum kommenden Mittwoch unterschreiben sollen, vorab nicht vorgelegt worden. Bei großen Teilen der Belegschaft herrschte Unsicherheit, ob diese Unterschriften bedenkenlos geleistet werden sollten, was Prahm bedauerte: „Wir hätten die Schriftstücke gerne vorab durch einen unserer zwei Rechtsbeistände in dieser Sache prüfen lassen, um eine Empfehlung geben zu können.“

Bank finanziert Insolvenzausfallgeld vor

Konkret geht es um einen Antrag auf Insolvenzausfallgeld sowie eine Abtretungserklärung einer Bank, die die Zahlungen vorfinanziert. Damit sollen nach Auskunft des Geschäftsführers die Löhne für die kommenden drei Monate gesichert sein. Forderungen von Gläubigern, die sich an die beiden Gesellschaften JHD Deichhorst gGmbH und JHD Mitte gGmbH richten, würden ausgesetzt.

In dieser Zeit muss unter Einbeziehung eines Sachwalters ein tragfähiges Sanierungskonzept erarbeitet werden. 2018 soll sich dann eine drei- bis sechsmonatige Sanierungsphase anschließen.

Sachwalter noch nicht eingesetzt

Uneinigkeit herrschte am Freitag auch über den einzusetzenden Sachwalter. Ein Kandidat war bereits vor Ort, was Betriebsrat Prahm verstimmte, da ihm vom Amtsgericht Delmenhorst eine Entscheidung für den kommenden Mittwoch angekündigt worden sei. Nach Informationen unserer Zeitung handelte es sich dabei aber um die Person, die auch von der Stadt Delmenhorst favorisiert wird. Delker habe zunächst jemanden anderen im Blick gehabt.

Oberbürgermeister Axel Jahnz, der ebenfalls an der Versammlung teilnahm, sagte zum Schutzschirmverfahren: „Wir kommen an diesem Weg nicht vorbei.“ Jahnz stand zwischen den Beschäftigten; eine Einladung, neben der Geschäftsführung auf dem Podium zu sitzen, hatte er ausgeschlagen.

Auswärtige werben um JHD-Beschäftigte

Auch in der Divarena machte Delker keine Angaben zum Umfang des geplanten Stellenabbaus. Eine nächste Mitarbeiterversammlung ist für den 6. Oktober geplant.

Unterdessen droht dem JHD auch ohne die zu erwartenden Kündigungen ein spürbarer Aderlass. Kliniken aus dem Umland werben bereits gezielt um Ärzte und Pflegepersonal. Und beim Betriebsrat mehren sich die Anfragen aus der Belegschaft, ob ein fristloser Ausstieg aus dem Arbeitsverhältnis beim JHD möglich sei.