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Kritik an blauer Plakette und E-Auto-Prämie Delmenhorster Handwerker schelten Umweltpolitiker

Von Frederik Grabbe | 04.05.2016, 14:02 Uhr

Eine blaue Plakette ist purer Aktionismus, die E-Auto-Prämie geht am breiten Markt vorbei: Die örtliche Kreishandwerkerschaft hat sich bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung eindeutig zu bundesweiten Themen positioniert. Sie konstatiert auch: Ausbildungen im Handwerk werden attraktiver.

Gegen eine „blaue Plakette“, gegen eine Kaufprämie bei Elektrofahrzeugen: Bei der Mitgliederversammlung der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/ Oldenburg-Land am Dienstagabend im Haus des Handwerks haben sich Innungsdelegierte eindeutig zu bundesweit diskutierten Themen geäußert.

„Umweltministerin gefährdet Bautätigkeit“

So sagte Kreishandwerksmeisterin Britta Jochims: „Mit ihren Plänen, eine blaue Plakette für Dieselfahrzeuge einzuführen, gefährden die Bundesumweltministerin und ihre Länderkollegen Bautätigkeit und Lieferverkehr in den Innenstädten.“ Wenn es nach den Umweltministern der Länder und Bundesministerin Barbara Hendricks geht, soll in Deutschland noch dieses Jahr eine solche Plakette eingeführt werden , die die rote, gelbe und grüne Plakette ergänzen soll. In Stadtbezirken mit besonders schlechter Luft sollen den Plänen zufolge nur noch Autos mit einer solchen blauen Plakette fahren dürfen. Diese berücksichtigt unter anderem den Ausstoß von Stickoxiden – und betrifft somit Dieselfahrzeuge.

Förderprogramm für Nachrüstung gefordert

Die Kreishandwerkerschaft sieht die Gefahr, dass nicht nur Fahrzeuge mit Dieselmotoren, sondern auch Lkw und Nutzfahrzeuge nicht mehr in die Innenstädte fahren dürfen. „Symbolpolitik“ und „puren Aktionismus“ nannte Jochims das Ansinnen. Nutzfahrzeuge trügen kaum zur Stickstoffreduzierung bei, ob überhaupt Filter für Fahrzeuge in einer solchen Größenordnung zur Verfügung stünden, um Fahrzeuge nachzurüsten, sei fraglich. Diese seien im Vertrauen auf geltende Abgasnormen gekauft worden, vor einem Fahrverbot sollte ein entsprechendes Förderprogramm für eine Nachrüstung aufgelegt werden, forderte Jochims.

E-Auto-Prämie wird unwirksam bleiben

Ferner bezeichnete der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Hartmut Günnemann, die beschlossene Prämie für E-Autos als „nicht den richtigen Weg“ für eine breitenwirksame Marktperspektive. Günnemann argumentierte, dass E-Autos nicht die tatsächlichen Mobilitätsanforderungen in allen Fahrzeuggewichtsklassen erfüllen. Auch seien sie wirtschaftlich nicht tragfähig. Die größten Baustellen sieht Günnemann noch in der unzureichenden Speichertechnologie und in der Ladeinfrastruktur. Dieser Engpass könne auch nicht durch eine Kaufprämie überbrückt werden.

Ausbildung im Handwerk ist attraktiv

In Sachen Nachwuchs berichtete Jörg Kruse, stellvertretender Kreishandwerksmeister, dass das Interesse an einer Ausbildung im Handwerk wachse. Kruse: „Unsere Bemühungen, die Attraktivität unserer Ausbildungsberufe herauszustellen, haben Erfolg.“ Gerade die Digitalisierung im Handwerk, wie etwa die Ausstattung von Wohnräumen mit digitalen Systemen oder die Elektromobilität bei Fahrzeugen, sei Grund für leistungsstarke Schulabsolventen, eine Laufbahn im Handwerk zu starten.