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Städtische Galerie Künstler Adrian Mudder blickt dankbar auf Ausstellung in Delmenhort zurück

Von Marco Julius | 06.04.2020, 13:15 Uhr

In der Städtischen Galerie Delmenhorst bleiben die Türen angesichts der Corona-Krise aktuell geschlossen. Eine sehenswerte Ausstellung eines Delmenhorster Künstlers konnte aber noch würdig beendet werden.

Nichts bleibt für immer, möchte man meinen. Nicht einmal in der Kunst, in der doch viel auf die Leinwand oder – in modernen Zeiten – auf den Bildschirm gebannt wird. Adrian Mudder weiß das. Der in Delmenhorst geborene Künstler, Jahrgang 1986, Abi am Maxe, der heute in Leipzig lebt und arbeitet, sitzt dem Reporter an einem Tag im März beim Kaffee gegenüber, während im Haus Coburg gerade seine Ausstellung "Pictures from my Pocket" abgebaut wird. Der Großteil geht zurück nach Leipzig, die von Mudder gestalteten Innenwände der alten Ärztevilla aber, die werden jetzt überstrichen. Wehmut? Mudder sagt Nein. „Es war ja ein großer Wunsch von mir, mal so großräumig denken und arbeiten zu dürfen. Dieser Traum hat sich erfüllt.“

Finissage in Zeiten der Corona-Krise

Überhaupt blickt Mudder voller Freude auf eine Ausstellung in seiner alten Heimat zurück, die, in Zeiten des Coronavirus, ein wenig anders als geplant zu Ende gegangen ist. „Die Finissage konnte noch stattfinden, allerdings in einer abgespeckten Version“, sagt er. Dennoch: die Zeit in Delmenhorst, diese große Ausstellung in dem Gebäude, in dem einst seine Oma als Arzthelferin gearbeitet hat, die hat Mudder genossen. Kreise schließen sich. „Mal wieder längere Zeit bei der Familie, quasi als WG, das war schön und überraschend harmonisch“, sagt er und lacht. Als Künstler, der sich in der Szene mehr und mehr einen Namen macht, kann er sich eine dauerhafte Rückkehr nach Delmenhorst allerdings derzeit nicht vorstellen. „In Leipzig, einer Großstadt, habe ich ganz andere Möglichkeiten. Als Künstler arbeitet man oft lange Zeit allein im Atelier. Da ist es wichtig, sich zwischendurch mit anderen Künstlern austauschen zu können.“ Leipzig ist eine Hochburg der zeitgenössischen Kunst. Auch, und das war bereits für Mudder der Grund, nach dem Kunststudium in die Sachsenmetroploe zu ziehen, weil es dort noch billigen Wohnraum und Platz für kostengünstige große Ateliers gibt.

Durch Delmenhorster Kneipen gezogen

Das urbane Leben, das auch in Mudders Werk immer wieder auftaucht, ist ein weiterer Punkt, der für Leipzig spricht. Dabei ist er jetzt in Delmenhorst sogar wieder kurz in das Nachtleben an der Delme eingetaucht. Bar Hopping, unter diesem Titel ist er mit Mitgliedern des Freundeskreises Haus Coburg und Interessierten durch einige Kneipen und Gaststätten gezogen, immer auf der Suche nach Motiven, die per App Autodesk Sketchbook zu Bildern wurden, zu Porträts vor allem. „Wir waren im White Lion, das ich noch sehr gut aus meiner früheren Zeit kenne. Da hat sich kaum etwas geändert“, berichtet er über das Nachhausekommen. Im Slattery’s und in der Bar des City Hotels ging es weiter. Joschka Kuty war dabei, der in Delmenhorst unter anderem viele Poetry-Slam-Veranstaltungen auf die Beine stellt. „Hier entsteht wieder etwas“, ist sich Mudder sicher, dass Delmenhorst auch für ein jüngeres Publikum mehr und mehr zu bieten haben wird.

Vorfreude auf Arbeit Atelier

Jetzt, nach Ende der Ausstellung, geht es zurück ins Atelier nach Leipzig. „Ich habe lange nicht mehr längere Zeit am Stück im Atelier gestanden, darauf freue ich mich jetzt“, sagt er, immer noch dankbar für die Chance, die ihm Dr. Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie, geboten hat. Vielleicht wird Mudder aber schon bald zurück sein. In der Bremer Kunsthalle ist eine große Ausstellung mit Werken des 2013 verstorbenen Norbert Schwontkowskis geplant. „Es gibt immer wieder Künstler, die mich beeindrucken und beeinflussen. Das kommt und geht. Schwontkowski aber ist über die Jahre geblieben.“

Und von Mudders Ausstellung bleibt, bei allem was vergänglich ist, der kreativ und aufwändig gestaltet Katalog „Pictures from my Pocket“ - mit zahlreichen farbigen Abbildungen und lesenswerten Texten von Reckert und Aneta Palenga zum Schaffen Mudders. Der Katalog kann in der Städtischen Galerie für 15 Euro bestellt werden.