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Ausstellung im Delmenhorster Haus Coburg Ein Fenster für den Blick in die Unendlichkeit

Von Thomas Cartier | 29.08.2019, 22:41 Uhr

Das Haus Coburg in Delmenhorst präsentiert ab dem 30. August die neue Ausstellung "Fensterbilder" des norwegischen Künstlers Fredrik Vaerslev.

„More thinking then painting“, also „Mehr denken als malen“, versucht Fredrik Vaerslev seine Ausstellung „Fensterbilder“, die er am Freitag, 30. August, um 20 Uhr in der Städtischen Galerie Haus Coburg eröffnet, zu beschreiben. Doch um zu verstehen, was der Norweger mit seinem Erklärungsversuch aussagen möchte, muss man zunächst verstehen, wer er ist und womit er sich künstlerisch sonst beschäftigt.

Bruch mit Regeln der Malerei

Geboren 1979, lebt und arbeitet Vaerslev heute in dem kleinen norwegischen Dorf Vestfossen, rund 70 Kilometer südwestlich von Oslo. Mit seinen großformatigen Werken erforscht der Künstler, was Malerei aushalten kann. Anstatt seine Bilder im Atelier trocknen zu lassen, lässt er sie bei Wind und Wetter draußen hängen, kellert sie ein oder überlässt sie seinem Hund. Das erschafft neue Eindrücke und macht die Bilder außerdem authentisch. Den Bildern im Haus Coburg ist teilweise deutlich anzusehen, dass sie einiges ertragen mussten, bevor sie aufgehangen wurden. Doch genau das macht sie so eigen und besonders.

Mehr Fenster als Wände

Für die Ausstellung „Fensterbilder“ hat Vaerslev für jedes Werk einen eigenen Rahmen, der wie ein Fenster des Haus Coburg aussieht, gebaut. Der Künstler hatte großen Gefallen an den tiefen, markanten Sprossenfenstern der großbürgerlichen Coburg-Villa gefunden. Zusammen mit einem, von ihm ausgewählten, Tischler hat er knapp 18 Monate an den Rahmen gearbeitet. Die Bilder, die er per Siebdruck und mit Sprühfarbe gemalt hat, wurden im Anschluss in die Rahmen eingelassen und es sieht so aus, als würde man auf ein Fenster blicken. Nur dass das Fenster nicht nach draußen zeigt, sondern auf eine gemalte Landschaft, meist Blumen.

Das Haus Coburg war laut dem Künstler perfekt für diese Ausstellung. Wenn man in ein Museum kommt, sei es normalerweise so, dass man viele weiße Wände und wenige Fenster sieht. Doch im Haus Coburg sei das genau andersherum und es gebe mehr Fenster als Wände. Das Fenster hat für den Künstler aber auch eine metaphorische Bedeutung. Es steht für einen Blick in die Unendlichkeit. Für ein Tor zwischen Wirklichkeit und Illusion.

Was passiert mit den Bildern?

Was mit den Bildern passiert, wenn die Ausstellung am 20. Oktober dieses Jahres schließt, kann Vaerslev selber nicht so genau sagen. Eines wird er sich selber mit nach Hause nehmen, gibt er zu. „Während der Entstehung der Bilder war Vaerslev sehr konsequent. Wenn ihm ein Bild nicht gefallen hat, ist es im Müll gelandet.“, so die Leiterin der Galerie Annett Reckert.

Ob die übrigen Bilder, die der Künstler nicht wieder mitnimmt, das gleiche Schicksal ereilen wird bleibt ungewiss. Schließlich wurden sie speziell für die Städtische Galerie gemalt und auf die Räumlichkeiten angepasst.