Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Kürzungen in der Integrationsarbeit Delmenhorster Polizeichef schlägt Alarm

Von Marco Julius | 21.11.2018, 18:19 Uhr

Als gefährlich für das Gemeinwesen bezeichnet Polizeichef Jörn Stilke Pläne, an der Integrationsarbeit zu sparen. Er hofft auf einen Kurswechsel.

„Riskant und gefährlich für unsere Stadt und unser Gemeinwesen“: Mit deutlichen Worten hat sich Jörn Stilke, Leitender Kriminaldirektor und Chef der hiesigen Polizeiinspektion, in einem Pressegespräch gegen Stellen- und Mittelkürzungen in der Integrationsarbeit gewandt. Wie berichtet, laufen zum Ende des Jahres gleich mehrere Hilfsprojekte aus, von denen vor allem junge Zuwanderer profitieren.

Langen Atem beweisen

„Wenn Integrationshilfen wegbrechen, wenn Integration nicht klappt, dann sind wir von der Polizei die Ersten, die es bemerken“, sagte Stilke. „Wenn Dinge wegbrechen, haben wir die Folgen zu tragen.“ Das Miteinander in einer so bunten Stadt wie Delmenhorst könne nur funktionieren, wenn Integration gelinge. Teilhabe, Bildung, Ausbildung seien wichtige Stichworte. Integrationsarbeit, ehren- und hauptamtlich, dürfe nicht auf einen kurzen Zeitraum begrenzt sein. Da müsse man langen Atem beweisen. „Viele Menschen, die in diese Stadt gekommen sind, sind nicht auf der Durchreise. Sie suchen ihre Zukunft in Delmenhorst, für sich und für ihre Kinder“, betonte der Polizeichef. „Da muss die Gesellschaft Hilfe leisten.“ Integration sei nicht zuvorderst Aufgabe der Polizei, für Stilke ist aber auch klar, dass sich erfolgreiche Integrationsarbeit auch über Polizeistatistiken nachweisen lasse.

Stilke siegt Erfolge der Integrationsarbeit

2017 sei das Jahr mit dem geringsten Kriminalitätsniveau „seit Beginn der Aufzeichnungen“. Zum Vergleich nannte Stilke unter anderem die Zahl der Straftaten in Delmenhorst 1993 und 2017. 6100 seien es im vergangenen Jahr gewesen, vor 25 Jahren waren es laut Stilke noch 11.000. Für 2018 prognostiziert er eine weitere Abnahme. Zwar sei der Anteil der nichtdeutschen Straftäter von 2014 bis 2017 in Zeiten des Zuzugs kontinuierlich gestiegen, für das laufende Jahr sei aber mit einem Rückgang zu rechnen. Der Anteil Asylbegehrender an den Tatverdächtigen sei in Delmenhorst zudem deutlich unter dem Landesschnitt. Gute Polizeiarbeit und gute Präventionsarbeit benannte Stilke als Gründe. Delmenhorst sei traditionell ein Standort für gelebte Prävention. Er verwies unter anderem auf den Kommunalpräventiven Rat (KPR), der nicht nur ein Etikett sei.

Hoffen auf Kurswechsel

„Wenn ich jetzt höre, dass in der Integrationsarbeit Kürzungen anstehen, stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Und ich spreche hier nicht als Einzelperson, das sehen wir als Polizei so.“ Stilke hofft auf eine gesellschaftliche Diskussion – und auf einen Kurswechsel. Ginge es nach ihm, dann müsste die Integrationsarbeit ausgebaut werden. „Wir müssen als Gesellschaft alle Anstrengungen unternehmen, damit Integration gelingt.“