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Kultusminister Tonne zu Gast Delmenhorster Schulen rufen um Hilfe

Von Marco Julius | 23.11.2018, 18:27 Uhr

„Schule Plus“ heißt ein Programm des Landes Niedersachsen. Was Schulen an Delmenhorster Brennpunkten unter den Nägeln brennt, hat der Kultusminister am Freitag aus erster Hand erfahren.

Er hat sich Zeit genommen für den Besuch. Und er hat den Eindruck vermittelt, genau hinzuhören: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) war am Freitagnachmittag zu Gast in der Oberschule Süd. Die Oberschule gehört gemeinsam mit der Grundschule an der Beethovenstraße und der Parkschule zu den landesweit 20 Schulen, die an dem Landesprogramm „Schule Plus – „Programm Lebensort und Schule“ teilnehmen. Mit diesem Programm will die Landesregierung die Unterstützung von Schulen „mit besonderen sozialen Herausforderungen auf eine systematische Basis stellen“, wie Tonne erläuterte.

Personalmangel ein Problem

Dass sie diese Unterstützung nötig haben, machten die Vertreter der drei teilnehmenden Schulen mehr als deutlich, nicht nur in einem selbst erstellten, pointierten zweiminütigen Film, sondern auch mit Stellungnahmen, die deutlich waren. Zuvorderst, das sagte Claus Schroeder, Leiter der Oberschule Süd, sei da das Personalproblem. Nicht besetzte Stellen, weil Bewerber fehlen, nicht für jede Klasse einen Klassenlehrer, Ämterhäufung in der Stammbelegschaft, eine Zunahme der Bürokratie, die Zeit fresse, ein hoher Krankenstand aufgrund der Dauerbelastung. Aber auch die besondere Schülerschaft, etwa an der Parkschule, kam zur Sprache. Eine sehr hohe Anzahl von Schülern mit geringen Sprachkenntnissen, Schüler, die Deutsch als Fremdsprache erlernen müssen, Schüler ohne Zugang zur Schriftsprache, dafür mit massiven Auffälligkeiten wie einer Aggressions- und Gewaltbereitschaft, einer fehlenden Frustrationstoleranz, mit vielfältigen, zum Teil unbehandelten psychischen Problemen, mit wegbrechenden Elternhäusern. Die Lehrerschaft habe ein hohes, kräftezehrendes Engagement zu leisten.

Ein Plus an konzeptioneller und materieller Unterstützung

Für Tonne sind diese Beschreibungen aus dem Schulalttag natürlich nicht neu. „Es gibt Schulen, die besonders belastet sind, diese Schulen in Delmenhorst gehören dazu.“ Deshalb sei das Programm „Schule Plus“ ins Leben gerufen worden. „Schulen, die in einem schwierigen sozialen Umfeld arbeiten, unterliegen oft besonderen pädagogischen und organisatorischen Herausforderungen und benötigen ein Plus an konzeptioneller und materieller Unterstützung“, sagte der Minister. Jede Schule bekomme zudem 15 Lehrerstunden pro Woche. Die Umsetzung des Programms baue auf die Nutzung und Bündelung des bereits bestehenden Beratungs- und Unterstützungssystems des Landes auf. Darüber hinaus sei das Zusammenwirken des Landes mit dem jeweiligen kommunalen Schulträger ein wichtiges Element.

Oberbürgermeister Axel Jahnz und Erster Stadtrat Markus Pragal nahmen den Ball gern auf. Das Programm, das bis zum Ende des Schuljahres 2019/2020 läuft, sei eine Riesenchance.