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Kundgebung am ZOB Delmenhorster gedenken der Opfer von Terroranschlägen

Von Frederik Grabbe | 26.03.2016, 16:28 Uhr

Die Anschläge von Brüssel sind Folge von sozialer Ungleichheit, strebt die Türkei nicht bald einen Frieden mit den Kurden an, müsse Deutschland seine Beziehungen zur Türkei verändern: Am Ostersamstag demonstrierte am Delmenhorster ZOB der Türkischen Arbeiterverein für Frieden. Auch Flüchtlinge beteiligten sich.

Gegen Krieg, für Frieden: Am Mittag des Ostersamstags haben rund 90 Menschen am Delmenhorster ZOB eine Friedenskundgebung abgehalten. Aufgerufen dazu hatte der Türkische Arbeiterverein in Delmenhorst, eine Ansprache wurde von einem Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gehalten. Auch einige Flüchtlinge waren unter den Protestlern.

Gedenken für Anschlagsopfer

„Für Frieden, gegen jeden Krieg“, „Ursachen bekämpfen statt Symptombewältigung“, „Bomben bringen keinen Frieden“: Die Botschaft war klar, die der Türkische Arbeiterverein am Samstag vermitteln wollte. Er stellte sich gegen jegliche Art von Krieg und Gewalt und dachte dabei besonders an die Opfer der jüngsten Anschläge des Islamischen Staats (IS). „Wir verurteilen die grausamen Anschläge von Brüssel . Wir teilen den Schmerz der Familien und der Angehörigen der Opfer“, sagte der Vorsitzende des Vereins, Vahit Oflazoglu. Er gedachte auch den Anschlagsopfern in Paris, Ankara, Istanbul oder der südtürkischen Provinz Diyarbakir.

Kriegspolitik der Türkei durch Herrschaft des Chaos‘

Er sprach insbesondere die bewaffneten Konflikte zwischen türkischer Regierung und Kurdengruppen im Südwesten der Türkei an und kritisierte den türkischen Staatschef, Recep Erdogan: „Er hat den Friedensprozess mit den Kurden aufgegeben. Täglich sterben Menschen in dem Konflikt – auch Zivilisten.“ Erdoğan pflege eine Kriegspolitik nach „innen und nach außen“ und versuche, seine „Herrschaft durch das Chaos“ zu stärken. Dies sei regional und global gefährlich.

Kritik an Abkommen zwischen Türkei und EU

Zum Flüchtlingsabkommen zwischen EU und Türkei sagte Oflazoglu: „Die Türkei ist kein sicheres Herkunftsland und kein sicherer Drittstaat.“ Er forderte die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen mit den Kurden. Passiere dies nicht, müsse Deutschland seine Beziehungen zur Türkei ändern.

Soziale Ungleichheit als Kriegs- und Terror-Ursache

Klaus Pohl vom DGB ging auf Kriegsursachen ein. Kriege seien immer letztes Mittel der Durchsetzung von Interessen von Machteliten. Gegen diese Eliten, verkörpert durch westliche Staaten im NATO-Bündnis, wachse aber Widerstand heran. Pohl sprach von „Ausbeutungsverhältnissen“ gegenüber Ländern im Rest der Welt. Wirtschaftsabkommen fielen stets zum Nachteil der schwächeren Nation aus, die globale, soziale Ungleichheit nehme zu. Diese sei, so Pohl, auch eine Ursache für die Terroranschläge in Brüssel gewesen. Aus diesem Grunde forderte er auch den Abbruch der Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA.

Als Bürger eingebettet Wirtschaftssystem des reichen Deutschlands, dürfe man durch das Argument „Wir schaffen Arbeitsplätze“ nicht „billig kaufen lassen“. Dieser Satz sei ein „Zuckergeschoss“ einer „Kriegsart“, die die wirtschaftliche Ungleichheit der Länder nur fördere.

Nach Kritik von Meyer: Nehme Einladung zum Träumen gerne an

Pohl erinnerte unter anderem an die deutsche 500-Millionen-Euro-Soforthilfe im Zuge der Finanzkrise. „Es gilt nicht nur Banken zu retten, sondern auch für Flüchtlingshilfe Mittel zur Verfügung zu stellen.“ Dies sei eine Förderung des Friedens. Pohl nahm auch Bezug auf die Kritik des Stadtkirchenpastors Thomas Meyer , der sich vom Thema des Vortrags Pohls im Karfreitagsgottesdienst, der Frage nach Kriegsursachen, enttäuscht gezeigt hatte. Pohl: „Bruder, ich nehme Deine Einladung zum Träumen von einer besseren, friedvolleren Gesellschaft ohne Vorurteile und Angst vor Fremden gerne an.“

Auch Flüchtlinge zeigen Flagge

Zwischen den Veranstaltern, zu denen auch das „Breite Bündnis gegen Rechts“, die SPD, Die Linke, die Linksjugend ‚solid, der griechisch-deutsche Kulturverein Dialogos und der SV Baris zählten, waren auch einige Flüchtlinge zu sehen. „Nach den Anschlägen von Brüssel war es mir und meiner Familie wichtig, hier zu sein“, sagte der Afghane Mohammad Issac Khadadad. Er sei vor der Gewalt der Taliban und anderen religiösen Extremisten geflohen. „Wir wollen zeigen, dass wir gegen Terror und für die Freiheit des Wortes stehen.“