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Kunst in Delmenhorster Villa: Delmenhorster Villa neue Bühne für Kleinkunst

Von Alexander Schnackenburg | 22.11.2015, 16:21 Uhr

Kleinkunst soll ehemaligem Delmenhorster Linoleum-Werk Denkmal setzen: Schauspieler und Rezitator Benedikt Vermeer trat vor 50 Gästen mit „In vino veritas“ in der Kaufmann-Villa auf.

Es könnte der Anfang nicht nur einer neuen Kleinkunstreihe gewesen sein, sondern auch ein Meilenstein in der Stadtentwicklung Delmenhorsts: Am Samstag, 21. November 2015, trat der Schauspieler und Rezitator Benedikt Vermeer vor über 50 geladenen Gästen in der Villa Kaufmann in Delmenhorst auf. Das Ehepaar Hella und Hagen Möller, das das Haus auf dem ehemaligen Areal der Deutschen Linoleum-Werke Delmenhorst im Dezember 2009 von Reinhard Kaufmann erworben hat, plant, die Villa künftig öfter für kulturelle Zwecke zu nutzen. Darüber hinaus möchte Hagen Möller die Stadt dazu bewegen, alle noch erhaltenen Häuser auf dem Fabrikgelände unter Denkmalschutz zu stellen.

Wie Häuser in Schwachhausen

Denn Möller kann sich vorstellen, dass die Villen an der Stedinger Straße in den kommenden Jahren ähnlich an Bedeutung für Delmenhorst gewinnen, wie in den letzten vier Jahrzehnten die Reihenhäuser Schwachhausens für Bremen. Auch bei diesen handele es sich um Wohnimmobilien aus dem späten 19. Jahrhundert, die zwar lang zu Spottpreisen gehandelt worden seien, denen man aber inzwischen kulturhistorischen Rang beimesse. „Gut, dass es diese Häuser noch gibt“, so Möller. „Toll wäre, wenn auch wir in Delmenhorst unsere schönen Altbauten für die Nachwelt erhielten.“

Spontanes zum Thema Wein

Tatsächlich dürfte, wer am Samstag dem Programm „In vino veritas“ (im Wein liegt die Wahrheit) Bendedikt Vermeers folgte, nicht nur die Rezitationskunst des Schauspielers genossen, sondern auch einen Eindruck vom Charme der Kaufmann-Villa gewonnen haben. Der Schauspieler trug vor, was ihm gerade so zum Thema Wein in den Sinn kam – zumindest gab er sich spontan, so, als variiere er das Programm jedes Mal aufs Neue.

Ob Schiller, Goethe, Heine, E.T.A. Hoffmann, Eugen Roth, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch, Karl Valentin oder auch Heinz Erhardt: Die Reihe der Dichter, die sich pointiert über den Genuss von Wein und Alkohol ausgelassen haben ist lang, und Vermeer kennt sie offenbar alle gut genug, um ihre Gedichte frei zu rezitieren, mal auf Hessisch, dann auf Bayrisch, mal mit schwerer Zunge, dann eher oberlehrerhaft klar und deutlich artikulierend – eine Freude, ihm zuzuhören und zuzusehen. Entsprechend angetan zeigte sich das Publikum, unter welchem das Ehepaar Möller an diesem Wochenende den einen oder anderen Mitstreiter - auch in Sachen Stadtentwicklung - gefunden haben dürfte.