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Kunst und Kirche im Zusammenspiel Kirchengemeinde feiert Gottesdienst im Haus Coburg

Von Dirk Hamm | 08.10.2017, 17:25 Uhr

Einen ungewöhnlichen Gottesdienst haben rund 40 Gläubige am Sonntag gefeiert: Nicht in der weitläufigen Stadtkirche begrüßte Pastor Thomas Meyer seine Gemeinde, sondern in der verdichteten Atmosphäre in der Remise der Städtischen Galerie Haus Coburg.

Die aktuell ausgestellten Werke der Maler Arthur Fitger, Fritz Overbeck und Paula Modersohn-Becker schufen ein besonderes Ambiente. Möglich wurde das nicht alltägliche Gottesdiensterlebnis durch eine Kooperation zwischen der Städtischen Galerie und der Citykirchenarbeit an der evangelischen Stadtkirche Zur Heiligen Dreifaltigkeit. Bis zum 22. Oktober ist die Videoarbeit „Looking for Jesus. Interviews from the Archive“ der polnischen Künstlerin Katarzyna Kozyra in der Kirche zu sehen.

Ein Stück Stadtkirche ins Haus Coburg gebracht

Mit diesem Schritt in das Gotteshaus sei die Städtische Galerie „mutig“ gewesen, sagte Meyer, das habe ihn bewogen, ebenfalls mutig zu sein und einen Gottesdienst in das Haus Coburg zu verlegen. Um den Ausstellungsraum dafür vorzubereiten, sind einige Gegenstände aus der Stadtkirche in die Remise gebracht worden. „Wir haben auch etwas Kunst mitgebracht“, sagte der Pfarrer und verwies etwa auf den Kerzenständer aus dem Jahr 1664 und die Kanzelsäule von 1908.

Eine Taufe beinahe wie in früherer Zeit

Und auch eine mehr als 100 Jahre alte Taufschale gehörte dazu: Während des Gottesdienstes wurde die neugeborene Emily Strenger getauft. Damit wurde zugleich eine Verbindungslinie zur Geschichte des Hauses hergestellt, das der Arzt Dr. Hermann Coburg 1905 errichten ließ. Pastor Meyer: „Haustaufen waren noch üblich, als die Villa erbaut wurde.“

Tradition und Moderne kein Gegensatz

Tradition und Moderne – dieses Grundthema der aktuellen Ausstellung „Moin, Herr Fitger! Fritz Overbeck trifft Arthur Fitger“ in der Städtischen Galerie bezog Meyer auch auf die Kirche. Der Traditionalist Fitger habe falsch gelegen darin, die aufkommende moderne Malerei zu verteufeln, er habe sich arrogant und verachtend gegenüber dem Neuen verhalten. „Das sollten wir auch in der Kirche nicht tun. Tradition und Moderne, beides gehört zusammen“, betonte der Pfarrer.

„Wir wollen kein verstaubtes Museum sein, sondern das Draußen nach innen holen“, sagte die Leiterin der Städtischen Galerie, Dr. Annett Reckert. Das Besondere und die Feierlichkeit des Gottesdienstes inmitten der Kunstwerke habe sie gerührt.