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Kurs für Jobcenterkunden Delmenhorst: Ein Filmprojekt für neues Selbstvertrauen

Von Frederik Grabbe | 08.06.2017, 16:03 Uhr

Ein Filmprojekt für junge Jobcenterkunden soll ihnen bei der Berufsorientierung helfen – und neues Selbstvertrauen einflößen. 2017 hat das Projekt von BNW und Jobcenter schon 40 Teilnehmer erreicht.

Ein junger Mann fühlt sich hin- und hergerissen zwischen seinen zwei Persönlichkeiten. In seiner Schizophrenie will er sein anderes Ich töten – und verliert den Kampf. Dies ist – in ganz groben Worten – der Plot des Kurzfilms „Vindicta“, den sich Teilnehmer des Projekts Komet erdacht haben. Komet steht für Kompetenzvermittlung mit Medientechnik und ist eine Maßnahme im Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) für junge Kunden des Delmenhorster Jobcenters. Sie besteht seit eineinhalb Jahren und soll 18- bis 25-Jährigen helfen, sich beruflich zu orientieren. Auf einen Job im Film sind die jungen Menschen später aber nicht festgenagelt.

Es geht auch um Fertigkeiten, die man in vielen Jobs braucht

„Ich habe hier viel über den Film gelernt, über Aufbau, das Schreiben von Drehbüchern, die Tontechnik und den Umgang mit der Kamera“, sagt Kevin Varchmin (19), Teilnehmer bei Komet. Und eine weitere Erfahrung hat er beim Dreh von „Vindicta“ gemacht. „Der Aufnahmeleiter hat einen verdammt harten Job.“ Genau um solche Erfahrungen geht es den Verantwortlichen von Jobcenter und BNW. „Wir stehen mit dem Projekt am Anfang der Berufswahl der Teilnehmer und möchten ihnen dabei Orientierung bieten“, sagt Hartmut Lindemann, zusammen mit Angela Schmeißer Hohnholz Leiter des BNW. Das Interesse an bestimmten Tätigkeiten wecken oder eigene Fertigkeiten herausfinden, gehöre ebenso zum Projekt. Ela Wemken, Teamleiterin für Unter 25-Jährige beim Jobcenter, sagt: „Arbeitsteiliges Arbeiten und Teamarbeit sind Fertigkeiten, die man in vielen Jobs braucht. Nicht nur beim Film.“

Berufswege außerhalb des Films

Die Kreativarbeit beim Drehbuchschreiben oder das technische Wissen um Kamera oder Schnitt sind darum am Ende Nebensache, wenn es darum geht, eine berufliche Perspektive aufzutun. Das bestätigen auch die Teilnehmer: Varchmin möchte an der BBS II bald die Berufsfachschule Informationstechnische Assistenz besuchen. Und die Teilnehmerin Carina Wolff (22) strebt nach einem Praktikum eine Ausbildung zur Verwaltungsfachkraft bei der Stadt an, erzählt sie. Nicht, dass die praktische Arbeit im Projekt nicht gut wäre. Im Gegenteil: Der Film des vergangenen Kurses, der 2017 40 Teilnehmer erreicht hat, hat beim Bremer Jugendfilmwettbewerb „Mediensucht“ einen Sachpreis gewonnen.

Nicht zuletzt, sind sich die Verantwortlichen sicher, flöße das halbjährige Projekt den jungen Jobcenter-Kunden neues Selbstvertrauen ein. Und das kann bei der Berufsfindung ja nicht schlecht sein.