Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Kurzfilm spielt in Delmenhorst Erste verfilmte Amazon-Rezension wird Internet-Hit

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 27.04.2016, 17:39 Uhr

Karsten hat ein Problem: Er liebt seinen Grill. Aus der Vorlage einer Amazon-Rezension eines vermeintlichen Delmenhorsters haben die zwei Filmemacher den urkomischen Kurzfilm „520015“ gedreht.

Zwar sieht das Wetter derzeit anders aus, aber die Grillsaison steht kurz bevor. Doch Vorsicht: Grillen kann süchtig machen. Diese Theorie wird zumindest von einer Amazon-Rezension eines gewissen „Karsten“ aus Delmenhorst gestützt. 2012 beschrieb der Kunde des Internet-Versandhandels Amazon in einer aberwitzigen Kurzgeschichte seine Erfahrungen mit einem Grill unter dem Titel „Wie der AEG520015 mein Leben veränderte“ . Aus Karstens Beschreibungen wurde von den beiden Filmemachern Martin Mayntz und Patrick Saleh-Zaki „Die erste verfilmte Amazon-Kundenrezension der Welt“ geschaffen. Und diese wird seit der vergangenen Woche in den sozialen Medien gefeiert.

Der Grill kommt mit ins Schlafzimmer

In der Rezension erzählt Karsten seine Geschichte: Er kauft sich einen Grill. Schon bald wird deutlich, dass er eine besondere Beziehung zu dem Grill entwickelt: „Legt man den Grill auf die Seite hat er etwas vom Porsche 911.“ Karsten wird süchtig nach Grillen. Zunächst geht es seiner Frau ähnlich: „Nach ca. einem Monat ließen wir den Grill bei uns im Schlafzimmer die ganze Nacht über auf niedriger Temperatur brutzeln“, beschreibt Karsten die immer absurder werdende Abhängigkeit von dem Grill.

Das Grill-Delirium schlägt zu

Seine Frau schafft den Absprung und verlässt Karsten. Er kündigt seinen Job, wird Wurstverkäufer und pflegt seine „Beziehung“ zu dem Grill: „Mein Körper war vernarbt, nach dem ich mich immer wieder auf sein Rost legte. Nachts schlief ich in einem Bad aus Kräutermarinade. Das half gegen den Wundschmerz“, heißt es in der Rezension. Als der Grill auf einmal verschwindet, irrt Karsten zunächst durch Delmenhorst, anschließend durch ganz Deutschland. Irgendwann erwacht Karsten aus seinem Grill-Delirium, um schließlich zu erkennen: „Das ist ein sehr gutes Gerät, aber ich brauche es nicht mehr. Ich war glücklich.“

Abschluss-Projekt von Design-Student

„Beim Lesen hat man sofort die Bilder dazu im Kopf“, erzählt Patrick Saleh-Zaki im Gespräch mit unserer Redaktion. Er und sein Freund Martin Mayntz stießen im Internet auf die Rezension. Da Mayntz noch auf der Suche nach einem Projekt für seine Abschlussarbeit seines Kommunikations-Design-Studiums war, beschlossen sie bereits 2013 einen Film aus der Rezension zu machen.

DEL-Kennzeichen ist Spezialeffekt

Gedreht wurde der Elf-Minuten-Clip über eine Woche in Köln, Hörstgen und Kempen, der Heimatstadt von Mayntz und Saleh-Zaki. Das Delmenhorster Autokennzeichen im Film ist nachträglich als Spezialeffekt eingesetzt worden. „Ich selbst war nie in Delmenhorst“, gibt Saleh-Zaki zu. Mit dem Erfolg, den der Film derzeit im Internet hat, haben sie nicht gerechnet. „Wir haben erwartet, dass ein, zwei Leute den Film lustig finden. Aber dass er in so kurzer Zeit so oft angesehen wird, haben wir nicht gedacht. Nach einer Woche bei Youtube hatte der Clip schon knapp 90.000 Klicks. Sie hatten den bereits drei Jahre alten Film zuvor noch nicht ins Netz gestellt, um ihn bei Wettbewerben einreichen zu können.

„Karsten“ gibt es gar nicht

Im Gespräch mit Saleh-Zaki stellt sich heraus: Karsten aus Delmenhorst gibt es gar nicht. Die Rezension wurde laut Saleh-Zaki von dem Autoren Christian Brandes verfasst. Brandes, geboren in Vechta und aufgewachsen in Bremen, ist unter dem Pseudonym Schlecky Silberstein einer der bekanntesten Blogger Deutschlands. Mehr als 100.000 Menschen folgen ihm auf Facebook. Darüber hinaus ist er als Autor für Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale tätig.

Autor Christian Brandes wusste nichts vom Film

Dass der Text von Brandes stammt, stellte sich erst nach der Youtube-Veröffentlichung in der vergangenen Woche heraus. Weil sie 2012 den Link auf Brandes‘ Seite www.schleckysilberstein.com gefunden hatten, schickten sie ihm den Link zu dem Video. Das sorgte entsprechend für eine Überraschung: „Wir wussten nicht, dass er Karsten ist. Er wusste nicht, dass wir den Film machen“, sagt Saleh-Zaki.

Entsprechend muss man sich keine Sorgen darum machen, dass Karsten rückfällig geworden ist. Denn der Text zum Grill blieb seine einzige Rezension bei Amazon.