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Landtagswahl im Landkreis Oldenburg Landjugend befragt Direktkandidaten

Von Ole Rosenbohm | 06.10.2017, 22:00 Uhr

Die Landjugend hat knapp 100 Zuhörer auf den Linteler Hof zum Wahlkampf der Landtagskandidaten mobilisiert. Viele beteiligten sich an der Diskussion. Allerdings wurden nur fünf von sieben Landtagsbewerbern eingeladen.

Zuletzt erlebte die Linteler Scheune einen Polterabend, Donnerstag nun auf Einladung der Landjugend ernsthaften Wahlkampf. Fünf Direktkandidaten aus dem Landkreis stellten sich über zweieinhalb Stunden den Fragen von Publikum sowie Moderator und Landjugend-Kreisvorstand Matthias Wolff.

AfD- sowie Linken-Vertreter nicht eingeladen

Die Niedersächsische Landjugend hatte als Organisatorin von landesweit sieben „Scheunengesprächen“ bereits im Vorfeld Feuer aus der Debatte nehmen wollen: Die AfD war ebenso nicht eingeladen wie die Linken – dafür mit Arnold Hansen die nach Umfragen aussichtslosen Freien Wähler (FW). Zudem dabei: der Landtagsabgeordnete Axel Brammer (SPD), Annemarie Glowienka (CDU), Kirsten Neuhaus (Grüne) und Niels-Christian Heins (FDP).

Gegenwind durch Publikum

In Fragen zur Landwirtschaft hatten sich die Kandidaten bei einem Publikum voller Experten auf schwieriges Terrain begeben. Dort spürte besonders Neuhaus Gegenwind, als sie sich zwar klar für den Erhalt der familiären bäuerlichen Struktur, jedoch für Bio-Anbau und gegen Massentierhaltung aussprach. Allein das Wort „Massentierhaltung“ brachte Zuseher in Rage: „Damit wird man pauschal beschimpft. Und hier werden Sie das, was die meisten unter Massentierhaltung verstehen, sowieso nicht finden“, sagte ein Landwirt. Der rot-grün-erfahrene Brammer warb da um gegenseitiges Verständnis: „Alle sollten mal schauen, wovor der andere Angst hat.“

Landwirte treibt die Angst vor Bürokratie

Landwirte, wurde deutlich, treibt auch die Angst vor Bürokratie um. Es sei so aufwendig, den Bau eines neuen Stalls genehmigt zu bekommen, sagte FDP-Mann Heins, dass es viele ganz ließen. Und dabei bräuchten Tierhalter mindestens mehr Platz, wenn sich wieder ein Gesetz zugunsten des Tierwohls ändere. Und Wohnhäuser? Auf landwirtschaftlich arbeitenden Höfen darf eher leicht gebaut werden, auf ehemaligen nicht. Kinder hätten so keine Chance im Dorf zu bleiben, kritisiert die Landjugend und erntete Zustimmung. FW-Kandidat Hansen gab allerdings zu bedenken, dass „jede Art von Siedlung Forderungen nach mehr Infrastruktur nach sich zieht“. Und das kostet – wie viele Versprechen an dem Abend, bemerkte ein Zuhörer. Etwa zum Breitbandausbau, den alle fördern wollen, die CDU gar mit einer Milliarde Euro, sagte Glowienka: „Firmen, Familien, Schüler – alle brauchen das.“