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Landtagswahlkampf in Delmenhorst Frauke Wöhler (CDU) verspricht mehr Lehrer

Von Michael Korn | 27.09.2017, 22:17 Uhr

Die CDU-Landtagskandidatin für Delmenhorst, Ratsfrau Frauke Wöhler, will sich für mehr Lehrer und mehr Schulsekretärinnen einsetzen. Das kündigte sie am 27. September 2017 bei einem Gespräch mit dem dk an.

Die CDU-Landtagskandidatin für Delmenhorst, Ratsfrau Frauke Wöhler, will sich für mehr Lehrer und mehr Schulsekretärinnen einsetzen, um dem Unterrichtsausfall auch vor Ort zu begegnen. Das kündigte sie am Mittwoch bei einem Gespräch im dk-Verlagshaus in Begleitung des Landesfraktionschefs Björn Thümler sowie des Kreisparteivorsitzenden Heinz-Gerd Lenssen an. Sie bezeichnete es als „fatal“, dass gegenwärtig Gymnasiallehrer beispielsweise vom Willms- und Max-Planck-Gymnasium aus Lehrermangel an Grundschulen abgeordnet werden. Wöhler tritt für die Union im Wahlkreis Delmenhorst zur Landtagswahl am 15. Oktober an.

Thümler: Lehrerausbildung verkürzen

Thümler ging zudem auf die schlechte Unterrichtsversorgung an den berufsbildenden Schulen ein. Diese liege teilweise bei lediglich 80 Prozent und sogar darunter. In den Betrieben könne das nicht kompensiert werden.Thümler: „Wir müssen Berufsausbildung als tragende Säule unseres Wohlstands begreifen. Wir leben von mittelständischen Unternehmern, von den Handwerkern, die Menschen in Lohn und Brot halten, ausbilden und die zum Bruttosozialprodukt erhebliches beitragen.“ Wöhler forderte: „Man muss mehr Lehrer einstellen.“ Es sei ja bekannt gewesen, dass Lehrer in Rente gehen, es sei aber nicht aufgestockt worden und es seien nicht genug Anwärter rekrutiert worden. Zudem gebe es in Delmenhorst drei Grundschulen, die derzeit keine Leitung haben. Wöhler: „Die haben einen wahnsinnigen Verwaltungsaufwand. Die können gar nicht mehr lehren. Die Kommune muss mehr Schulsekretärinnen einstellen.“ Björn Thümler ergänzte, dass die Lehrerausbildung sinnvoll verkürzt werden müsse. Er sprach sich für mehr Praxisanteile, eine Erhöhung der Einstellungsquoten für Studienanfänger, das Einwerben von mehr Personen mit pädagogischen Hintergrund sowie mehr Ganztagsschulen mit mehr Eigenverantwortung und neuen Strukturen aus.

Wahlfreiheit für Eltern

Zur Situation der Förderschulen bekräftigte der Fraktionsvorsitzende: „Wir müssen in allgemeinbildenden Schulen Voraussetzungen dafür schaffen, dass inklusive Kinder so betreut werden, dass andere nicht zurückstehen müssen und Förderkinder normaler Teil der Schulgesellschaft sind.“ Die CDU strebe daher eine Änderung im Schulgesetz an. Förderschulen sollten aus ihrem Sonderstatus geholt und auf die Linie der allgemeinbildenden Schulen gehoben werden. Eltern hätten dann freie Wahl, „ob sie Förderschule, Haupt- oder Realschule oder was auch immer wählen wollen“. Das Kinderwohl sei entscheidend. Laut Wöhler platzt in Delmenhorst beispielsweise die Schule an der Karlstraße aus allen Nähten. Sie bräuchte noch zwei Klassenräume. Wöhler: „Es kann nicht sein, dass Eltern ihre Kinder einklagen müssen in Förderschulen, weil sie das mit der Inklusion im klassischen Sinne nicht wollen. Sie müssen die Wahlfreiheit haben.

B-212-Ausgleich unter Betroffenen

Des weiteren gingen die beiden Politiker im dk-Gespräch auch auf die B212neu, das Josef-Hospital und den Wollepark ein. Bei der umstrittenen Bundesstraße, deren möglicher Streckenverlauf durch den äußersten Stadtnorden Anwohner und beteiligte Kommunen spaltet, sagte Wöhler, dass man nur schwierig eine Einigkeit finden werdet. Bremen habe ein GVZ geplant ohne Anbindung und dann gesagt, man müsse Delmenhorst mitnutzen durch großes Verkehrsaufkommen. Thümler bekräftigte, dass die Stromer Landstraße der einzige mögliche Übergabepunkt der B212 an das Land Bremen sei. Für die Delmenhorster müsse eine Lösung gefunden werden, „dass eben nicht das befürchtete Verkehrschaos stattfindet auf der Stedinger Straße“. Ganderkesee habe raumordnerisch alles getan, damit auf deren Gebiet keine Entlastungsstraße mehr gebaut werden könne. Die weitere Idee, dass man von der neuen B212 nicht nach Delmenhorst abfahren kann, werde nicht dauerhaft funktionieren. In diesem Fall würde der Verkehr über Strom wieder zurück Richtung Delmenhorst fahren und noch mehr Verkehr bringen. Thümler: „Besprechen muss man, ob man in Höhe Hasbergen einen Bypass von der B 75 machen kann, auch für Gewerbeansiedlungen.“ Das vom Land eingesetzte Dialogforum sieht Thümler als nicht geeignet an für eine Lösungsfindung wegen der ausgestiegenen Umweltverbände. Vielmehr müsse ein Interessenausgleich unter den wirklich Betroffenen angestrebt werden.

JHD-Investition nicht gefährdet

Im Konflikt um die finanzielle Situation des Josef-Hospitals gehen Wöhler und Thümler davon aus, dass der Investitionsprozess für den Neubau Stadtmitte mit einer Fördersumme von 70 Millionen Euro durch das laufende Schutzschirmverfahren nicht gestoppt wird. Dass man ein zentrales Klinikum neu in Delmenhorst hat, sei deshalb schon richtig, „weil das alte städtische Klinikum belastet ist und die Högel-Geschichte dem Krankenhaus immer anhängt.“ Wöhler ist zuversichtlich, das der künftige Standort in der City auch dazu beiträgt, die Belegungszahlen wieder nach oben zu bringen.

Wöhler will Wohnungsaufsichtsgesetz

Zu den Aufgaben rund um den Wollepark und den Wohnungsbau sagte Wöhler: „Wir brauchen ein Wohnungsaufsichtsgesetz, mit dem man den Besitzern von Schrottimmobilien das Handwerk legen kann. Es gibt den Kommunen mehr Handhabe ohne großen Kostenaufwand. Die derzeit erklärte Unbewohnbarkeit der betroffenen Blöcke kostet uns als Kommune wahnsinnig viel Geld, beispielsweise für die Brandwachen.“ Wöhler sprach sich für mehr bezahlbaren Wohnraum aus. Thümler kündigte im Falle einer Regierungsbeteiligung seiner Partei ein millionenschweres Programm an mit Baukindergeld von 5000 Euro je Kind, Anhebung der Kinderfreibeträge auf Elternniveau, Subvention von erschwinglichen Mietpreisen sowie von Studentenwohnungen.

Im Anschluss an das Gespräch reiste Thümler weiter zum nächsten Wahlkampfauftritt bei der Tischlerei Sandkuhl in Ganderkesee, wo es um die Digitalisierung ging.