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Lauer Winter hemmt den Verkauf Delmenhorster Einzelhändler locken mit Rabatten

Von Frederik Grabbe | 23.01.2015, 19:25 Uhr

Das milde Wetter hat Einfluss auf den Handel vor Ort. Die gute Nachricht für Schnäppchenjäger: Alle befragten Kaufleute bieten reduzierte Ware an.

So richtig ist der Winter noch nicht durchgeschlagen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt musste bislang schlimmstenfalls Eis von der Windschutzscheibe gekratzt werden. Das vergleichsweise milde Wetter hat Auswirkungen auf den örtlichen Einzelhandel. Winterartikel gingen in vielen Geschäften nur dürftig über den Ladentisch. Mit Reduzierungen steuert der Handel gegen.

„Vor 15 Jahren haben wir noch Langlauf-Skier verkauft. Damals gab es noch das Langlaufwochenende auf der Großen Höhe“, erinnert sich Harald Fiedler, Eigentümer vom Sporthaus in der Schauburg-Passage. „Im Dezember lag Schnee, darauf konnte man sich verlassen.“ Das milde Wetter lasse vor allem Winterjacken im Laden zurück. Um Winterartikel trotzdem an den Mann zu bringen, setzt Fiedler auf Preisnachlässe zwischen 30 und 60 Prozent.

„Sobald die Seen zufrieren knallt‘s“

In einer ähnlichen Höhe bewegen sich die Ermäßigungen bei Intersport Sporthof. „Der Jackenverkauf ist sehr vom Wetter abhängig. Das bereitet der ganzen Branche Probleme“, sagt Geschäftsführer Julian Flocke. Reduzierungen seien das einzige Mittel, um das Winterlager zu räumen. Nicht richtig sei aber, dass manche Geschäfte schon im Dezember mit Reduzierungen begonnen hätten. „Das mag zwar gut für die Kunden sein, aber wir brauchen Überschüsse, um unsere Ausgaben zu decken.“ Laut Flocke habe es im Wintersportbereich eine massive Verschiebung gegeben: „Skifahren ist ein teures Hobby. Und die Leihangebote in den Wintersportorten haben sich drastisch erhöht.“ Einige Skiartikel „verstopfen nur das Lager“. Anders sei die Sache bei Schlittschuhen: „Alle zwei, drei Jahre frieren die Seen zu. Sobald es dazu kommt, knallt‘s. Dann können wir nicht genug Ware haben.“ Aber: Das milde Wetter stärkt den Absatz anderer Sortimente. Fleecejacken, Hallenschuhe oder Jogginghosen nennt Fiedler, Softshelljacken oder weniger wattierte Jacken nennt Flocke als Beispiele.

Will ein Mann eine Thermohose, dann kauft er sie auch

Im Sporthaus überlegt man aber, wie Bestellungen gezielter auf die Wetterlage abgestimmt werden können. Gezielt Ware auf Bedarf nachbestellen und dafür den Vorverkauf drosseln, das ist ein Konzept, das der Herrenausstatter Männer Többens schon praktiziert. „Im Dezember haben wir schon gut abverkauft. Das Lager ist nicht übervoll“, schildert Fachverkäufer Bert Drewes. Gleichwohl wurden Reduzierungen zwischen 20 und 50 Prozent auf Markenpullover oder -Jacken ausgezeichnet. Bei einigen Artikeln verzichtet Männer Többens allerdings auch auf Preisnachlass. „Will ein Kunde eine Thermohose, dann kauft er sie auch. Männer suchen nicht endlos nach Sonderangeboten. Darum bringt es auch nichts, auf Teufel komm raus zu reduzieren.“

Nachlass von 70 Prozent

Dass sich das Einkaufsverhalten von Männern und Frauen unterscheidet, bestätigt Britta Mai, Eigentümerin des Frauenbekleidungsgeschäftes Macy-Mode. „Frauen suchen nach Neuem und kaufen jegliche Kleidung, die sie schön finden – auch wenn dass heißt, bei 30 Grad im Sommer einen Wintermantel mit nach Hause zu bringen.“ Dementsprechend stehe schon jetzt zu einem Drittel Frühjahrsmode im Laden. Liegen im Lager noch verhältnismäßig viele dicke Jacken, sei es nicht zu voll. Das dürfe es auch nicht. Schließlich kauft Mai schon jetzt die Wintermode des kommenden Winters ein. Ähnlich sieht es beim Schuhhaus Gerdes aus. Auch wenn sich der Trend zu Übergangsschuhen gestärkt habe, „müssen die Winterschuhe weg. Denn die Frühjahrs- und Sommerschuhe drücken aufs Lager“, sagt Mitinhaber Marc Engels. Genau so, bloß in einem größeren Maßstab, geht es C&A, dem vielleicht größten Modeverkäufer in Delmenhorst. „Manche Jackenständer sind noch komplett bestückt. Minus sieben Grad wären gut fürs Geschäft“, so die stellvertretende Leiterin der Filiale, Helma Lahring. C&A gewährt derzeit einen Nachlass von bis zu 70 Prozent. „Das erklärt sich nicht zuletzt durch unseren Lagerbestand.“