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Lauhöfer neu im Chefsessel Ausgleichendes Element im Amtsgericht Delmenhorst

Von Kai Hasse | 21.09.2017, 09:33 Uhr

Ein Augenmerk auf hohe Kundenfreundlichkeit will der neue Direktor des Amtsgerichtes Delmenhorst legen. Dr. Detlev Lauhöfer war bereits Gerichtsdirektor in Wildeshausen. Delmenhorst ist ihm dabei nicht fremd: Hier ist er auch Vorsitzender der evangelischen Kreissynode.

Seit Beginn des Monats hat das Amtsgericht Delmenhorst einen neuen Direktor. Dr. Detlev Lauhöfer hat den Chefsessel eingenommen. Er will die Kundenfreundlichkeit im Haus forcieren. Der Mann ist beschäftigt: Er hat auch privat viele Verpflichtungen.

Noch sind beim Pressegespräch nicht alle Kartons ausgepackt: Lauhöfer verlagert den Termin in ein anderes Büro. Es soll gemütlich sein. Kekse, Kaffee. Lauhöfer will, dass sich die Kunden im Haus aufgehoben fühlen. Er sagt bewusst „Kunden“ zu denjenigen, die ins Amtsgericht kommen oder kommen müssen - und nicht etwa Beschwerdeführer oder Straffällige. Ins Amtsgericht kommen Menschen auch wegen Erbfällen, Insolvenzen oder Grundbuchangelegenheiten. Als Mitarbeiter im Amtsgericht sei man auch Dienstleister, fasst er es zusammen. Das solle mit ihm als neuem Direktor des Gerichts einen besonderen Akzent bekommen. „Wir erwarten von dem Bürger Respekt. Demzufolge können die Bürger auch von uns einen respektvollen Umgang erwarten.“

Gefahr des „Tunnelblicks“

Lauhöfer ist ein großer Mann, sportlich, mit einem auffallend verbindlichen Lächeln. Er ist 57. In dem Alter wollte er noch einmal etwas anderes machen. Grundlegend neu wird der jetzige Posten allerdings nicht sein. Zuvor hatte er 17 Jahre lang das Amtsgericht in Wildeshausen geleitet. Dennoch: „Ich bin der Meinung, ein Behördenwechsel sollte etwa alle 15 Jahre stattfinden“, sagt er. Man laufe sonst Gefahr, einen „Tunnelblick“ aufzubauen, durch den man keine Verbesserungsmöglichkeiten mehr erkennt. In Wildeshausen hatte er, wie er sagt, ein gutes Haus und ein tolles Team gehabt. Und er freut sich auf das Team in Delmenhorst, das er ebenfalls bereits zu schätzen gelernt habe.

Viel Vermittlung als Familienrichter

Von Haus aus, sagt er, ist er Familienrichter. Ein Bereich, der viel Vermittlung verlangt. Denn viele Familienrechts-Fälle, in denen es beispielsweise um das Umgangsrecht mit dem Kind dreht, könne man auch mit ausgleichenden Gesprächen lösen. Oft seien es vor allem Kommunikationsprobleme, die einer einvernehmlichen Lösung – und einer, die auch Kindern gut tut – im Wege stehen. „Viele Gründe für einen Streit finden sich auf der Beziehungsebene der Eltern, in den Verletzungen, die sie sich einander zugefügt haben“, sagt er, „ich habe es erlebt, dass Eltern nach langer Zeit erst wieder im Gerichtssaal miteinander reden. Ich ich sage dann: So, wie Sie jetzt miteinander reden, das ist der richtige Weg.“ Er sei Entscheider – „Wenn es nicht anders geht. Aber ich sehe mich in meiner Rolle zunächst als ausgleichendes Element.“

Sehr gute Begegnungen in Delmenhorst

Lauhöfer muss seine Tage gut strukturieren. Er ist nicht nur neuer oberster Richter in Delmenhorst. Privat ist er obendrein Vorsitzender der Kreissynode der evangelischen Kirche. Das kann zumindest im Privaten zu interessanten Gesprächen führen, wenn religiöse und rechtliche Standpunkte sich gegenüberstehen, erzählt er. Beispiele könnten Schwangerschaftsabbruch, mutmaßliche Andersbehandlung von Muslimen oder die kürzlich politisch beschlossene „Ehe für Alle“ sein – er selbst habe aber eine liberale Position und trenne strikt zwischen Religiösem und der Rechtssprechung. Beispiel Ehe für Alle: „In der Sache selbst kann man das nur unterstützen. Ich bin aber gespannt auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes.“ Denn nach der Entscheidung des Bundestages in diesem Thema wird noch das oberste deutsche Gericht in Karlsruhe entscheiden, ob die Entscheidung verfassungskonform ist.

„Großstadt“ Delmenhorst

Als leidenschaftlicher Radrennsportler ist Lauhöfer außerdem Vorsitzender des TSV Großenkneten. Als die Kinder noch klein waren, musste er sein Engagement in privaten Verbänden noch einschränken. Nun sind seine beiden Söhne 24 und 19 – und die Eltern können wieder voll einsteigen in ihre sonstigen Ehrenämter. Auf seine Zeit in Delmenhorst ist Lauhöfer gespannt. „Ich hatte bereits jetzt - auch in der Kreissynode - sehr gute Begegnungen in Delmenhorst. Der Ort hat die Lebendigkeit einer Großstadt. Ich freue mich auf Delmenhorst“, sagt er.