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Lebensbilder: Fritz Hummel Explosionsmaschine kostete ihn das Leben

Von Werner Garbas | 16.07.2016, 12:30 Uhr

Am 17. Oktober 1917 erregte eine Todesanzeige der Otwi-Werke Aufsehen, eines in Delmenhorst mit einer Zweigniederlassung ansässigen Rüstungsbetriebes. Der Text lautete: „Am 13. des Monats wurde in Ausübung seines Berufes unser Ingenieur Fritz Hummel tödlich verletzt. Wir verlieren in dem so plötzlich mitten aus seiner Beschäftigung Abgerufenen einen tüchtigen, gewissenhaften und pflichttreuen Beamten, dessen Talent auf artilleristischem Gebiet zu großen Hoffnungen berechtigte.“

Fritz Hummel stammte aus Hepsisau, einem Ortsteil der Gemeinde Weilheim/Teck, wo er am 25. März 1892 als Sohn des Kolonialwaren-Händlers Karl Hummel und seiner Frau Katherine geboren wurde. Nach seiner Schulzeit durchlief er eine Lehre als Maschinenschlosser und Dreher und bildete sich anschließend mit großem Fleiß zum Techniker und Ingenieur weiter.

Er war in verschiedenen Betrieben in Esslingen und Stuttgart tätig. Sein Herzenswunsch aber war, in die Flugstaffel des Heeres aufgenommen zu werden. Hummel richtete hierzu zahlreiche Gesuche an das Königlich Württembergische Kriegsministerium und die Inspektion der Fliegertruppen in Berlin-Schöneberg, blieb aber trotz seiner guten Ausbildung und Qualifikation erfolglos, weil wegen Überfüllung keine weiteren Flugschüler aufgenommen wurden.

Briefauszüge beleuchten Kriegstätigkeit schemenhaft

Anfang Januar 1917 kam Hummel nach Delmenhorst, das Pionier-Bataillon, dem er angehörte, hatte ihn zu den Otwi-Werken abgeordnet, wo er an der Entwicklung einer Explosionsmaschine für den Kriegseinsatz arbeitete. Kurze Auszüge aus Briefen an seine Eltern und seinen Bruder Hermann beleuchten diese Tätigkeit schemenhaft.

So schrieb er am 18. Februar: „Wie Ihr schon wisst, war ich kürzlich einige Tage in Berlin, wo wir auf dem Tegeler Schießplatz geschossen haben. Es funktionierte wie gewöhnlich wieder alles sehr gut und wurde beschlossen, die Sache der obersten Heeresverwaltung vorzuführen. Wiewohl die Sachen schon seit längerer Zeit in geringerem Maßstab fabriziert wurden, soll jetzt noch eine großartig vorbereitete Vorführung gemacht werden. Es ist dann ein Handstreich auf einer großen Frontlänge mittels meiner Kampfmittel beabsichtigt.“

Euphorie über Fortschritte bei den Waffenversuchen

Am 6. März 1917 erwähnte Hummel bedeutende Verbesserungen, die „ohne Zweifel gewaltige Vorteile bringen und den Ausgang des Krieges entscheidend beeinflussen“ würden. Am 1. April 1917 schwang in seinen Zeilen Euphorie mit durch: „Ich mache hier in Delmenhorst, wo ich eine Art Direktorstellung innehabe, die fabelhaftesten Sachen. So schmettern wir durch Druck auf einen Knopf einen beliebig langen Teil der Front nieder und die Sache soll nun bald ins Feld kommen, dann werden wir ja sehen, was sie wert ist.“

Dann Ende April äußerte er Frust und war niedergeschlagen: „Mit meinen Sachen ist es wie mit dem Krieg. Es scheint nachgerade unmöglich, zu irgendeinem bestimmten Abschluss zu kommen. Immer wieder wollen die Behörden etwas anderes haben, als wie es vorgeführt wird, sodass man einzig nicht zum Ziele kommt. Es kann ja niemand mehr meine Sache vertilgen, aber aufgehalten wird sie nach Möglichkeit.“

Tod ereilte Hummel kurz nach dem Durchbruch

Jeden Tag, so schrieb er, fahre er mit dem Auto zum Schießplatz, erledige seine Versuchsreihen und tummle sich auf der Heide. Anfang September berichtete er von einem erfolgreichen Durchbruch seiner Arbeit: „In den letzten Tagen haben wir in Döbritz vor den höchsten Generälen geschossen. Es hat hierbei alles großartig geklappt, und höchstwahrscheinlich findet die nächste Vorführung im Hauptquartier statt.“

Nur anderthalb Monate später kam Hummel bei einer Explosion ums Leben. Er war der dritte Sohn, den die Familie Hummel während der Kriegsjahre verlor.