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Lebensbilder: Hermann Lühring Engagierter Lehrer wirkte zum Besten Adelheides

Von Werner Garbas | 04.06.2016, 13:30 Uhr

Die Schullandschaft in Delmenhorst wurde von Hermann Lühring maßgeblich geprägt. Seinem Wirkungsbereich Adelheide widmete er besondere Aufmerksamkeit.

Mitten in Friesland, in Sande nämlich, wurde Hermann Lühring am 27. November 1911 geboren. Es dauerte lange Jahre, bis er sich seinen eigentlichen Berufswunsch erfüllen konnte. Als Soldat überstand er den Zweiten Weltkrieg mit einer schweren Verwundung und konnte nun erst seine erste Lehrerprüfung ablegen.

Seit 1937 mit Hilda Ilg verheiratet, sammelte er von Oktober 1946 bis März 1947 seine ersten praktischen Erfahrungen im Schuldienst an der Pestalozzischule und unterrichtete dann an der Südschule. Im Oktober 1947 erfolgte seine Abordnung als Lehrer an die einklassige Volksschule Adelheide I, wo er in Vertretung die Stelle des Schulleiters übernahm. Der Herbst 1948 brachte seinen Wechsel an die Schule Adelheide II, wo er seit Oktober 1953 als Schulleiter fungierte und im April des Folgejahres zum Hauptlehrer ernannt wurde. Seit Januar 1972 bekleidete Lühring dann die Stelle des Rektors der Grundschule Adelheide, mit Ablauf des Monats Januar 1977 wurde er in den Ruhestand versetzt.

Hilfe für vertriebene Kollegen aus dem Osten organisiert

Hermann Lühring setzte sich in besonderem Maße für die Interessen seines Berufsstandes und seiner Berufskollegen ein, etwa 1946 als Mitbegründer der Delmenhorster Ortsgruppe des Vereins Oldenburger Lehrer und Lehrerinnen. Außerdem war er unter anderem Mitinitiator der Arbeitsgemeinschaft „Praktische Schulreform“. In den Nachkriegsjahren bemühte er sich darum, die Entnazifizierungsverfahren von Lehrern zu beschleunigen, um den Schulbetrieb wieder in vollem Umfang zu gewährleisten.

Die Organisation von Unterstützung und Hilfsangeboten für vertriebene Kollegen aus den Ostgebieten, die in Delmenhorst eine neue Heimat fanden, war ihm ein Herzensanliegen. 1954 wählten ihn die Schulleiter zu ihrem Vertrauensmann in der Zusammenarbeit mit dem Schulträger Stadt Delmenhorst. Damit fiel ihm die Aufgabe zu, den Schuletat auf die verschiedenen Schulen zu verteilen,

Die 1969 erfolgte Gründung einer Schulleiterkonferenz ging auf eine Initiative Lührings zurück. Er konzipierte einen Schulentwicklungsplan für die Stadt Delmenhorst, der richtungsweisende Grundlage für die Schulplanung ab 1973 war und der Stadtverwaltung und den Beschlussgremien als probate Entscheidungshilfe diente. Als Funktionär vertrat er seine Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft über Jahrzehnte im Kreisausschuss des DGB Delmenhorst-Wesermarsch. Zeitweise war er Vorsitzender des Kreislehrerpersonalrats.

Lühring forcierte Bau des Ehrenmals für die Kriegstoten

Besonderes Augenmerk schenkte er „seinem Stadtteil Adelheide“. Er rief schon bald nach dem Krieg die dortige Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen ins Leben und führte den Verband einige Jahre an. Unvergessen ist auch Lührings Engagement für die Adelheider Bürger- und Dorfgemeinschaft. 1957 forcierte er den Bau des Ehrenmals für die Toten der beiden Weltkriege, das am 17. Juni desselben Jahres unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit eingeweiht werden konnte.

In Lührings Urheberschaft fällt außerdem die 1967 erfolgte Einrichtung des Sportplatzes Adelheide an der Boelckestraße und die Anlegung des Rad- und Fußweges entlang der Adelheider Straße – nach zähen Verhandlungen mit dem Landesverkehrsministerium und dem Wehrbereichskommando 2 in Hannover. Auch für die Gründung des Soldatenheims und die Errichtung der Garnisonskirche setzte er sich vehement ein.

Der verdiente, um das Allgemeinwohl besorgte Pädagoge starb am 28. Juli 1979 im Alter von nur 67 Jahren.