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Lebensbilder: Werner Pophanken Ein engagierter Streiter für die Jugendhilfe

29.11.2015, 15:05 Uhr

Der Jugendrichter und SPD-Politiker Werner Pophanken war ein Exponent der 68er in Er zählt zu den Gründern des Vereins Brücke.

Viele Heranwachsende in der Delmestadt haben es Werner Pophanken als Mitgründer des Delmenhorster Jugendhilfevereins Brücke zu verdanken, dass sie in der Gesellschaft wieder Fuß fassen konnten.

In Oldenburg am 16. Dezember 1929 als Sohn eines Lokomotivführers und einer Bauerntochter geboren, besuchte Werner Pophanken dort die Realschule. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Zahntechniker und arbeitete in diesem Beruf in Apen bei Westerstede.

Seiner Mutter hat er es zu verdanken, dass er sich ab Anfang der 50er Jahre umorientierte. Am Braunschweig-Kolleg, einem Internat, welches vor allem die durch Kriegswirren an ihrer Weiterbildung verhinderten Jugendlichen zum Abitur führte, schaffte er 1954 die Reifeprüfung. Danach begann Werner Pop-hanken in Tübingen ein Studium der Philologie, doch nach drei Semestern sattelte er auf Jura um – eine Entscheidung, die sein weiteres berufliches Leben bestimmen sollte.

Seit 1964 am Amtsgericht Delmenhorst gewirkt

Schließlich machte er 1962 sein Examen an der Uni Hamburg und war als Assessor danach in Osnabrück und Aurich tätig. 1961 hatte er noch als Referendar Anne Lübken geheiratet, der Ehe entstammen zwei Söhne. 1964 ging es dann an das Gericht in Delmenhorst, als dort eine Planstelle für das Zivilrecht frei wurde.

Doch dabei blieb es nicht. Schon früh interessierte sich unser Mann für die Politik, war Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und der Sozialdemokratie geworden und hatte sich durch seine idealistische Grundeinstellung mit dem Jugendrecht und der Jugendhilfe beschäftigt. So war es wohl zwangsläufig, dass Pophanken nach dem Ausscheiden von Gerd Harms dessen Amt als Jugendrichter übernahm. Diese Aufgabe hat er dann viele Jahre mit pädagogischem Geschick wahrgenommen.

Auch in der Kommunalpolitik kräftig mitgemischt

Gemeinsam mit Hermann Cloppenburg gründete er 1983 den Verein Brücke für ambulante Maßnahmen nach der Entlassung junger Straffälliger zwischen 14 und 21 Jahren. Diese Institution hat bis heute manch einem Jugendlichen geholfen, wieder zur Normalität zurückzufinden.

Und auch in der Delmenhorster SPD wirkte Werner Pophanken für diese Ziele. Es war die Zeit der durch die 68er angestoßenen Erneuerung auch des Delmenhorster Kreisverbandes. Die Jungsozialisten (Jusos) gewannen immer mehr Einfluss auf die Kommunalpolitik, forderten das „klassenlose Krankenhaus“ oder sogar die Einführung der Rätedemokratie. Werner Pophanken mischte dabei kräftig mit, hielt in der alten Grafthalle, wo zeitweise bis Mitternacht getagt wurde, manche Rede. Er wurde stellvertretender Unterbezirksvorsitzender und forderte aus dieser Stellung heraus immer wieder die SPD-Fraktion im Stadtrat auf, eine aktive Jugendpolitik zu betreiben.

Dass er selbst auch sportlich jung bleiben wollte, zeigte sein Einsatz in einer Fußballtruppe des Max-Planck-Gymnasiums, in der er noch mit über 60 Jahren dem Leder nachjagte.

Nach der Pensionierung im Jahre 1991 zog es Werner Pophanken wieder in seine Heimatstadt Oldenburg zurück. Dort ist er am 17. Juli 2014 verstorben.