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Lebenseinstellung honoriert dk-Redakteur Daniel Niebuhr als „Spitzenvater“ gewürdigt

Von Thomas Breuer | 23.12.2017, 14:11 Uhr

Die Geburt eines eigenen Kindes, das wissen Eltern, lenkt das Leben oft in völlig neue Bahnen. Was für die meisten Familien gilt, trifft auf Daniel und Aylin Niebuhr noch ein bisschen mehr zu.

Aylin Niebuhr liebt ihren Mann Daniel, unseren Kollegen in der dk-Sportredaktion. Als Gefährten auf dem Weg des Lebens und seit dem 29. September 2015 auch als Vater der gemeinsamen Tochter Alea Marei. Wie sonst hätte die 34-Jährige ihren ein Jahr älteren Ehepartner zum „Spitzenvater des Jahres“ vorschlagen können?

Großbäckerei kürt die „Spitzenväter“

Vergeben wird dieser Titel seit 2006 von der international tätigen Großbäckerei Mestemacher mit Sitz in Gütersloh. Sie fördert nach eigener Darstellung seit Anfang des Jahrtausends den Entstehungsprozess einer neuen Geschlechterordnung nach norwegischem und skandinavischem Vorbild. Dabei wird Geschlechterdemokratie als Wachstums- und Wohlstandsfaktor Deutschlands im internationalen Wettbewerb verstanden. Beispiele für herausragende Frauen und „Spitzenväter“ werden unter anderem im „Mestemacher Frauenkalender“ publiziert.

Die Überraschung des Kalenders für das Jahr 2018: Auf Seite 140 ist ein Text samt Foto über Daniel Niebuhr zu finden, unseren Kollegen. Als Mann auf der Waage ein Leichtgewicht, ist er als Papa schwer in Ordnung, legt der Text nahe. Aylin Niebuhr sieht das exakt so. Eine ausführliche Bewerbung, ihm den Titel „Spitzenvater“ anzutragen, hatte sie schriftlich erstellt, zwei Bürgen aus dem Freundeskreis mussten bestätigen, dass Daniel Niebuhr ihm alle Ehre machen würde. Zum Titel des allerbesten Spitzenvaters 2018 hat es nicht gereicht, wohl aber wurde er in die Riege der „Spitzenväter des 21. Jahrhunderts“ aufgenommen.

Tochter mit einem Chromosomendefekt geboren

Als er das, was seine Frau aufgeschrieben hatte, las, sind bei Daniel Niebuhr die Tränen gekullert. Beleg für eine Liebe zwischen zwei Menschen, deren Leben durch die Geburt des gemeinsamen Kindes noch einmal in völlig neue Bahnen gelenkt wurde. Was für die meisten Eltern gilt, gilt für Familie Niebuhr noch ein bisschen mehr. Denn Alea Marei wurde mit einem sehr seltenen Chromosomendefekt gehörlos geboren und trägt eine Magensonde. „Es sind nur drei vergleichbare Fälle dokumentiert“, sagt Daniel Niebuhr. „Wir wissen noch nicht, ob unser Kind laufen und sprechen lernt.“ Ein Hoffnungsschimmer: Inzwischen kann Alea stehen, wenn sie sie sich festhält.

Daniel Niebuhr hat nicht eine Minute daran gedacht, seiner ebenfalls berufstätigen Frau die Aufgabe der Förderung und Erziehung weitgehend allein zu überlassen, wie es früher ganz selbstverständlich gewesen wäre. „In den ersten beiden Jahren seit der Geburt“, hält der Eintrag im Frauenkalender fest, „verbrachte er gemeinsam mit Alea und seiner Frau Aylin über 100 Tage in Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen.“ Bei Klinikaufenthalten und Operationen wechseln sich die Eltern bis heute als Begleitpersonen ab. Daniel Niebuhr ist meist der einzige Vater, was ihm den Vorteil eines Einzelzimmers bringt.

Es gibt seit der Geburt viele Tochter-Vater-Tage

Es gibt durch die Berufstätigkeit beider Ehepartner viele Vater-Tochter-Tage. In seinem Job ist Daniel Niebuhr ganz selbstverständlich kürzergetreten, hat mit dem Verständnis seines Arbeitgebers Elternzeit genommen und die Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduziert.

Wie sonst hätte es gehen sollen? Bis vor einiger Zeit wurde Alea zehn Stunden täglich Nahrung sondiert. Aylin, eine Frühaufsteherin, und Daniel, eher den Nachtschwärmern zuzurechnen, haben sich die Schichten geteilt.

Aleas akustische Aufnahmefähigkeit wird inzwischen durch ein Hörgerät auf der einen und ein Cochlea-Implantat, das die Funktion des beschädigten Innenohrs übernimmt, auf der anderen Seite ermöglicht. Sie lauscht fast immer und bringt sich mit Nicken oder Kopfschütteln in viele Entscheidungen ein. „Sie ist so aufgeweckt und bekommt alles mit“, sagt Daniel Niebuhr und seine Augen strahlen etwas heller.

Das Essen kurz vor dem zweiten Geburtstag gelernt

Kurz vor ihrem zweiten Geburtstag hat die für ihr alter kleine und zierliche Alea im Krankenhaus eine sechswöchige Fütter-Reha absolviert, das Essen gelernt. Ein neuer Fortschritt, auch wenn sie in der Krippe, die sie seit dem vergangenen Sommer besucht, noch sondiert werden muss. Eine persönliche Assistenz in der Gruppe kümmert sich darum.

„Ich wollte ein Mädchen“, erinnert sich Daniel Niebuhr. Er liebt Alea von Herzen und ahnt tief in sich, dass vielleicht nicht alles gut, aber noch vieles besser werden wird. „Sie ist so unglaublich fröhlich und so optimistisch“, freut sich der Papa. „Ich will meinem Kind mitgeben, dass die Welt etwas Gutes ist“, sagt er. Es scheint ihm zu gelingen, auch wenn er „nur“ ein Spitzenvater des 21. Jahrhunderts und nicht „der“ Spitzenvater des neuen Jahres ist.

Es wird ihm gelingen – in tiefer Verbundenheit mit seiner Frau Aylin, für die der Sportredakteur unangefochten der beste aller Väter ist.