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„Lebensgefahr“ in Delmenhorster Markt Stadt hält trotz Kritik an Postenhandel-Schließung fest

Von Sonia Voigt | 01.08.2017, 19:45 Uhr

Insbesondere der Zeitpunkt der Schließung des großen Restpostenmarktes am Hamburger Weg sorgt für Kritik. Dessen Betreiber hat nun für die nächsten beiden Verkaufstage einen neuen Ort gefunden.

Trotz viel Kritik vor allem in den sozialen Netzwerken hält die Stadtverwaltung daran fest, dass die plötzliche Schließung des Postenhandels Nord am Hamburger Weg alternativlos war. Das sofortige Eingreifen sei nicht nur wegen des Verstoßes gegen das Baurecht geboten gewesen, sondern weil „offenkundig Gefahr für Leib und Leben besteht“, gibt Stadtsprecher Timo Frers die Einschätzung des Fachdienstes Bauordnung wieder. „Derartige Zustände“ habe niemand der erfahrenen Baufachleute jemals festgestellt, betonte Fachdienstleiter Gunter Bott und spricht von „massiven Brandschutzmängeln“ und einem „faktischen Schwarzbau“. Viele kritisieren den Zeitpunkt der Überprüfung, just als der große Restpostenmarkt durch den Kundenansturm und das resultierende Parkchaos für Anwohnerbeschwerden sorgte. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist nichts Merkwürdiges daran.

Vermehrte Beschwerden waren Auslöser für Überprüfung

„Der Fachdienst Bauordnung muss zunächst davon ausgehen, dass Gebäude entsprechend der genehmigten Bauunterlagen errichtet und genutzt werden“, erklärt Frers. Stetig sämtliche Gebäude der Stadt zu überprüfen sei unmöglich. Der Fachdienst habe mit der jetzigen Überprüfung auf vermehrte Beschwerden über den großflächigen Sonderposten-Verkauf reagiert. Die Nutzungsuntersagung habe der Fachdienst Bauordnung gegenüber Eigentümer und Betreiber ausführlich und nachvollziehbar begründet, sodass sie gerichtlich überprüfbar ist. Zu den Details könne sich die Stadtverwaltung aber aus Datenschutzgründen nicht äußern, bittet Frers um Verständnis.

Lagerverkauf in Coma-Outlet verlegt

Postenhandel-Geschäftsführer Christoph Pawlowski hat für die geplanten Lagerverkaufstage am Donnerstag, 3., und Freitag, 4. August, von 8 bis 19 Uhr kurzfristig einen Ausweichort gesucht und gefunden. „Der Lagerverkauf findet in den Räumlichkeiten von Coma-Outlet in der Nienburger Straße 1 in Delmenhorst (ehemals Praktiker/ Max Bahr) statt“, kündigt Pawlowski an. Auch am Samstag, 5. August, sei dort von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Dies sei zunächst eine einmalige Lösung, die „komplexe rechtliche Situation“ lasse der Postenhandel Nord weiterhin von seinen Anwälten prüfen. „Sehr schade“ findet Pawlowski, dass die Behörden nicht versucht haben, „eine kurzfristige Übergangslösung zu schaffen“. Sowohl der Restpostenmarkt als auch der Gebäudeeigentümer und Vermieter seien dazu bereit gewesen. Langfristig habe man sowieso aufgrund des großen Zulaufs und der Parksituation einen Umzug angedacht.

Facebook-Nutzer plädieren für Übergangslösung

Zahlreiche kritische Reaktionen in ähnlicher Richtung gab es in den Delmenhorster Facebook-Gruppen. So schreibt ein Nutzer: „Als die Firma Vosteen dort noch war, war es kein ,Schwarzbau’.“ Die Stadtverwaltung hätte besser mit der Firma gemeinsam eine unbürokratische Übergangslösung gesucht, ergänzt er: „Die jetzige Außenwirkung ist fatal.“ Ähnlich sieht es eine weitere Facebook-Nutzerin: „Da gönnt man einem Geschäftsmann seinen Erfolg nicht... auf die Idee könnte man tatsächlich kommen. Warum muss man den Laden mit sofortiger Wirkung schließen? Kann man sich nicht zumindest auf eine Übergangslösung einigen?“ Einige Nutzer empfehlen dem Postenhandel, in einer der Nachbargemeinden neu zu eröffnen.